Hucklenbruch war ein guter, evangelischer Christ. Ob er seine letzte Stunde nahen fühlte, wer weiß? Aber er hatte plötzlich Verlangen geäußert nach dem Abendmahl. Es waren ja noch nicht allzuviele Jahre, seit er’s mit seinen Eltern zum erstenmal genommen, zu Bielefeld in der Kirche, im langen Konfirmandenrock, das Myrtensträußchen im Knopfloch.
Nun kam der Geistliche.
»Nehmet hin und esset – das ist mein Leib – der für euch gegeben wird –«
Feierlich klangen die Einsetzungsworte, getragen von der heraufschallenden, festlichen Musik. Aber der danach Begehrende konnte den Leib des Herrn nicht mehr empfangen, das Schlucken versagte.
»Nehmet hin – und trinket alle daraus –«
Wohl neigte der Geistliche sich über das Bett und hielt dem Sterbenden den Kelch an die Lippen, aber der Wein verschüttete; der bleiche Mund streifte nur des Kelches Rand. Hucklenbruch merkte das nicht; ein verklärter Ausdruck lag auf seinem blutleeren Gesicht, mit dem jetzt verblaßten Sommersprossensattel über der scharf gewordenen Nase. Seine Augen waren ganz nach oben gekehrt.
Vor seinen Ohren spielte leise die Orgel der Bielefelder Kirche: ›Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünd’ der Welt.‹ Da war eine große, andächtige Gemeinde – immer neue wallten zum Altar, immer neue – aber er hatte schon genossen, er war nun wohl vorbereitet. Und Vater und Mutter führten ihn fort – heim.
Unten auf dem Hof setzte die Musik einen Augenblick aus. Der Geistliche breitete die Hände zum Segen und sprach das Amen. Neben der würdigen Oberin lag die junge Daria auf den Knieen. Auch die Nonnenhände hoben sich empor: »Amen, Amen!«
Strahlender und strahlender vergoldete der warme Sonnenschein Stube und Bett und den Sterbenden.
Rauschend hub die Musik von neuem an, höchster Jubel stieg zu höchsten Höhen: