›Heil dir im Siegerkranz,
Heil König dir!‹
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Bis in die sinkende Nacht Jubel. Musik, Transparente, Illumination, bengalische Flammen. An den Rheinufern loderten Feuertonnen, und Menschen, Menschen, froh erregte Menschenscharen wallten. Das knatterte und knallte, blies und fiedelte, jauchzte und frohlockte. Fünfzehnhundert Träger schwangen ihre Fackeln; greller Schein überglänzte alles, flüssiges Feuer tropfte auf’s Pflaster, wie bespritzt mit Blut standen die weißen Mauern der Häuser. Hin zum Jägerhof wallte der endlose Zug, und Fürst und Fürstin von Hohenzollern traten auf den Balkon. Das Volk grüßte hinauf, und sie grüßten hinab. Der Fürst brachte dem König und der Armee ein donnerndes Hoch, ein dreifach donnerndes Hurra antwortete.
Im Hofgarten reckten die Bäume ihre schon herbstlichen Blätter in’s Fackellicht, und der stille Weiher spiegelte den Glanz wider. Ein letzter, sommerlicher Hauch strich säuselnd durch’s hohe Gras. Der Herbst war vor der Thür, der Winter würde kommen, Schnee und Eis bringen, aber was machte das?! Träume standen auf, frühlingsfrische, hoffnungsgrüne Träume. In den Wipfeln rauschte es von: ›Friede, Friede!‹
XXVII
Es waren rauhe Herbsttage, die nun folgten. Selten hatte der Wind so geblasen und den schäumenden Gischt des Rheins so hoch an die Ufermauer hinaufgespritzt. Selten hatte die große Prozession, die sich, wie alljährlich um diese Zeit, auf die Wallfahrt zur Mutter Gottes nach Kevelaar begab, so ungünstiges Wetter gehabt. Aber nicht Regen, nicht Sturm hielt die frommen Pilger ab; nie war der endlose Zug endloser gewesen, der Düsseldorf betend passierte und dem sich hier noch endlose Beter anschlossen. Es waren der bekümmerten Seelen heuer mehr denn je, die in der Kapelle, darin schon so viele geopferte Wachsgebilde an den Wänden hängen, vor’m wunderwirkenden Gnadenbild neue wächserne Füße und Hände niederlegten.
Schwarz hing das Kartoffelkraut auf dem Acker, modrig roch es auf den Feldern, die Störche sammelten sich auf den Hammer Wiesen, die Schwalben zogen fort, und frostig waren die Nächte.
Vorsichtige Leute bestellten Kohlen und suchten die warmen Sachen aus der Mottenkiste, bald war der Winter da – aber, ob auch der Friede?
Es gab eine bittere Enttäuschung. Hatten doch selbst die Soldaten aus dem Felde an die Ihren von baldiger Heimkehr geschrieben; aber Sedan hatte den Frieden nicht gebracht. Wohl saß Napoleon auf Wilhelmshöhe, wohl hatte Straßburg kapituliert und Orleans war erstürmt, doch noch immer mußten die deutschen Jungen vor Metz im Morast liegen, frieren und sich langweilen.