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In die ernsten Stunden trüber Wintertage brachte der Besuch von Bruder Friedrich ein freundliches Licht. Ruhig, aber doch von einem gewissen Selbstbewußtsein erfüllt, teilte der Schlosser der Familie mit, daß er demnächst die Aussicht habe, selbständig zu werden, das heißt so gut wie selbständig: ein Konsortium von Geldleuten hatte ihn, neben einem kaufmännischen Direktor, zum technischen Leiter eines neu zu gründenden großen Etablissements für Fabrikation von Eisenbahnschwellen und Schienen ausersehen. Mit Beendigung des Krieges sollte das Unternehmen in’s Leben treten, bedeutendes Kapital stand zur Verfügung; und sein Kontrakt war unterzeichnet.
»Ja,« schloß er mit aufquellender Freude, »dat wär’ früher nit e so leicht passiert, nur ene simple Schlosser, und so en Stell’! Aber heutzutag’ jeht dat. In der Industrie wird nur jefragt: ›Wat leist’ de Mann?‹ Hör’, du, meine Jung’« – er legte dem interessiert lauschenden Fritz die Hand auf den Kopf –, »du sollst ordentlich in de Lehr’! Direktor – dat is mir noch lang’ nit jenug für dich, selber dein ’hören muß sie, die Fabrick!«
Herr Schnakenberg war Feuer und Flamme, als er von des Stiefsohnes Aussichten hörte. Wenn der Junge Kaution stellen mußte, er kam dafür auf!
»Ne, danke,« hatte der Schlosser mit Stolz gesagt, »Kaution brauch’ ich nit. De Krupp sagt für mich jut, un dat is jenug!«
Krupp konnte schon gutsagen, dessen Kanonen spieen die französischen Festungen an – Thionville, Montmédy und wie sie alle hießen –, daß sie klein beigaben. Und gar das große Paris schien zu zittern vor dem Gebrüll der Geschütze von Friedrich Krupp.
Mit Ungeduld wartete man auf die Kapitulation von Paris. Wenn Paris fiel, das ›große Sündenbabel,‹ dann mußte es doch Friede werden!
Weihnachten war gekommen, jedoch Christkindleins sanfte Lieder wurden noch immer übertönt von rauher Kriegsmusik. Aber die unschuldigen Kinder sangen doch unverzagt:
›O du fröhliche, o du selige,
gnadenbringende Weihnachtszeit!‹