Freilich, war die Schule aus, und kam sie von den Nönnchen heim in die Kaserne, atmete den eigentümlichen Schimmel- und Knasterduft, der diesen Wänden untilgbar anhaftete, sah die Bajonette auf dem Exerzierplatz blitzen und hörte den Gesang der Mannschaft beim Stiefelwichsen und Knöpfeputzen, dann brach etwas in ihr los, was bei den Ursulinerinnen geschlafen.
Frau Trina schalt viel über Finas tolle Ausgelassenheit; in ihrer hartumdrängten Mutterschaft vergaß sie jetzt manchmal, daß auch sie einst vor lauter Lust am Leben gar nicht gewußt wohin. Hier eine kleine Hand, dort eine kleine Hand! Hier ein jämmerliches Klagen, dort ein begehrliches Kreischen! Da konnte einem wahrhaftig mal die ›pläsierliche‹ Laune abhanden kommen.
»Nich tot zu kriegen,« sagte der Vater, wenn er seine Josefine ansah, und ein Freudenschein flog über sein hartes Gesicht.
Rinke hatte gealtert; trotz seiner Vierzig mischten sich ihm schon graue Fäden in’s dunkle Kopfhaar und den rötlichen Schnauzbart. Von den Augenwinkeln nach den Schläfen zogen sich viele feine Fältchen, und um die Mundecken hatte sich ein verbissener Zug festgesetzt. Jahraus jahrein Kommiß macht müde; und das Sitzen im Bureau vor’m Nationale und dem Löhnungsbuch, auch; die Parole den Herren Offizieren zustellen, den Kompagnierapport anfertigen, genau Erkrankungen und Beurlaubungen berichten, das Strafverzeichnis, das Schießbuch, die Rangierrolle, die Abrechnungen führen und Gott weiß was sonst noch, auch; und täglich drei Stunden neben dem Herrn Hauptmann über den Kasernenhof pendeln, immer hin-her, her-hin, mit geschlossenen Augen wissen, wo der rechtsum wendet, wo linksum, auch.
Heraus aus dem einförmigen Trott!
Ach, in den Zeitungen stand wohl zu lesen: Der gallische Hahn krähe wieder frech, anno dreizehn sei ihm nicht genug geschehen, es sei an der Zeit, ihm vollends den Garaus zu machen – zu den Waffen!
Krieg, Krieg, wann kam der?!
Der Feldwebel wartete schon lange.
Heute hatte ihm seine Josefine ein Gedicht vorgelesen, auf einem Zeitungsausschnitt stand es, der schon die Runde durch viele Hände gemacht:
›Sie sollen ihn nicht haben,