Des letz-ten Manns Ge-bein!«

»Nein, das sollen sie auch nicht!« So heftig stieß der Feldwebel seine Pfeife auf’s Fenster, daß sie zerbrach. »Heiliges Kanonenrohr! Haben sie am Ende doch recht, die da sagen: man rüstet in Preußen?! I, das wäre! Na, gebt den Rothosen man eins drauf, daß sie alle werden für jetzt und ewige Zeiten! Haha« – er lachte vor innerem Entzücken – »Preußen immer vorneweg! Nu geht’s los!« Aber gleich darauf verfinsterte sich sein Gesicht wieder. »Ich glaub’s nich, wir haben noch keine Ordre. Zeit wär’s, Kerle werden täglich fauler. ’ne Affenschande, muß ich hier sitzen auf dem verlorenen Posten, statt da mittenmank!« Unwirsch fuhr er sich durch die kurzgeschnittenen Haare. »Verfluchtes Lausenest!«

»Düsseldorf is en prachtvoll schöne Stadt,« sagte Frau Trina beleidigt.

Er hörte sie gar nicht. Den Blick starr auf den öden Exerzierplatz gerichtet, murmelte er: »Wenn’s man losginge, wenn’s man losginge!« Eine starke Röte war ihm in’s Gesicht gestiegen; er schüttelte sich wie in einem Schauer und preßte die Zähne aufeinander: »Wenn’s man!«

»Jehste jetzt im Krieg, Vater?« fragte das Kind.

Er kaute am Schnauzbart. »Vielleicht,« sagte er, sich beherrschend; aber man hörte doch die Freude heraus.

Josefine rief denn auch sofort: »Da haste aber en Freud’, jelt, Vater?«

»Ja,« sprach er, alles vergessend. Und in einer tiefinneren Erregung sich aufrichtend, reckte er sich zu seiner ganzen Länge; die Arme streckte er über den Kopf, daß sie gegen die niedere Decke stießen. »Man ist ganz steif geworden – hah!« Wie ein Erlösungsseufzer klang sein tiefes Atemholen.

Frau Trina hatte die Augen weit aufgerissen, nun fing sie plötzlich an, bitterlich zu weinen. »Och, nu – nu jeht er wahrhaftig im Krieg! Och, Jesusmarijosef, ne, hätt’ ich dat jewußt!« Sie sah sich suchend nach ihren drei Jüngsten um, die beim Weinen der Mutter erschrocken zu brüllen anfingen. »Kinder, der Vater, er jeht im Krieg! Och, hätt’ ich dat jewußt!« Fassungslos sank sie auf den nächsten Schemel, das Gesicht mit der Schürze bedeckend.

Fassungslos sah auch der Feldwebel drein – hätt’ ich das gewußt! Ja, dann hätte sie ihn wohl nicht geheiratet. Und er?! – Es zuckte für einen Augenblick um seinen Mund – nun, und er vielleicht auch nicht.