»Na, dann behalten Sie ihn, bis« – sein Gesicht verfinsterte sich wieder, mit dem Soldatwerden war’s doch bei dem Jungen Essig – »bis er in die Lehre kommt. Aber ich bitt mir’s aus: seien Sie strenger, viel strenger; der Bengel pexiert was, nich gerade ansehen kann er einen ja.«
»Pexieren – dat Jüngesken?! Och du lieber Jott! Angst hat de,« platzte die Großmutter heraus, »Angst vor Ihnen!«
»Angst – vor mir?!«
Der Feldwebel war betroffen. Angst sollte sein Sohn vor ihm haben? Angst – warum denn? Seine Kinder hatten Angst vor ihm? Angst vor ihrem Vater?! Das wollte ihm nicht aus dem Sinn. In brütenden Gedanken ging er heimwärts.
Auf dem Kasernenhof begegnete ihm Josefine, Karlchen an der Hand. Er hielt sie an. »Josefine,« sagte er und sah ihr forschend in das offene Gesicht, »sag mal, hm« – die Worte wollten nicht leicht heraus, es würgte ihn etwas in der Kehle – »hm, sag ehrlich, hast du – hm – hast du Angst vor mir?«
»Wat jefällig?« Sie verstand ihn gar nicht.
»Ob du – Angst vor mir hast?«
Nun lachte sie hell auf: »Ne!«
»Na, siehste!« Sein Gesicht erheiterte sich; aber nicht für lange. Es trug wieder den finsteren Ausdruck, als er allein auf seinem Lieblingsplatz am Fenster saß. Niemand war oben, alle fort, auch Frau Trina; der offengebliebene Kleiderschrank zeigte da, wo sonst ihre Mantille und ihr Hut hingen, eine leere Stelle.
Über den Exerzierplatz kam Glockenschall, von all den vielen Kirchen der Stadt läutete es; das war ein mächtiges Hallen und Widerhallen, stärker denn sonst, ein Dröhnen und festliches Rufen. Aha, morgen war wohl katholischer Feiertag?