»Zintmäte sein Vöjelche

Met dat rote Köjelche –«

Viktor, der angehende Fähnrich, betrachtete sie sehr wohlgefällig von der Seite. Nett war die geworden – ganz famos! Soviel er sich erinnerte, war sie immer niedlich gewesen – aber so niedlich? Er fing an, Josefine zu necken: mit ihrem Düsseldorfisch, mit ihrem Kürbis. Frischweg ging sie darauf ein, nur als er ihr das Lichtchen ausblasen wollte, sagte sie drohend: »Mach!« und hob die Hand.

Er machte es nicht im geringsten besser, wie die Rabauen in den Holzklumpen; wie vorhin die, so umhuschte er sie jetzt, bald von rechts, bald von links. Das war ein Jagen über’s Trottoir, ein Schäkern und Lachen, ein ausgelassener Kampf um das Lichtchen. Zintmäten, Zintmäten – sie vergaßen ganz das ›Sie‹.

So schön war’s heut. Der Mond am Himmel schämte sich und versteckte sich vor all dem Glanz. Vom Rhein grüßte ein lindes Wehen und strich sanft kühlend über die glühenden Wangen, die erhitzten Stirnen.

»Zintmäten, Zintmäten!« Jauchzend sprang Josefine dahin, wie getragen von Windesflügeln, die roten Lippen zu schallendem Gesang geöffnet.

Und der Abend flog auch dahin – zu rasch.

»Nach Hause,« sagte Viktor plötzlich und faßte die Hände seiner Schutzbefohlenen. Es behagte ihm auf einmal nicht mehr, allerhand Pöbel füllte die Straßen, Rheinkadetten, Burschen und Mädchen aus den Fabriken; in langer Reihe, Arm in Arm, sperrten sie den Weg. Schon mischten sich andre Lieder in’s Martinsliedchen der Kinder. Hier und dort wurde recht wüst gegröhlt:

»Küt de Lehrer in de Scholl’,

Setzt hä sich ob singe Stoll’ –«