»Zu Befehl, gnädiges Fräulein.«

»Was macht denn Ihre Tochter, die Josefine? Geht’s ihr gut?«

»Zu Befehl, gnädiges Fräulein, sehr gut!«

»So, das freut mich!«

Das war wahrhaftig nett von dem ›Fräulein Major‹, daß sie sich der Schulgefährtin noch erinnerte! Der Feldwebel fand es ganz begreiflich, daß man das Fräulein von Clermont die erste Schönheit der Stadt nannte – so was Vornehmes und doch so was Freundliches!

»Grüßen Sie Ihre Tochter von mir!« Sie neigte leicht den Kopf mit einer großen Anmut und schwebte wieder zur Thür.

Donnerwetter war die hübsch geworden! Aber seine Josefine war auch nicht zu verachten! Im Geist hielt der Feldwebel deren blonde Flechten neben jene dunklen Locken, die frischroten Backen neben das zartweiße Gesicht.

Der Major sprach in seine Betrachtungen hinein – das Herz mußte ihm übervoll sein, er vergaß ganz den Untergebenen –: »Ja, wenn ich die Tochter nicht hätte, keine Stunde bliebe ich mehr! Nichts los, gar nichts mehr los! Aber so viel weiß ich, sowie meine Tochter ’ne Partie gemacht hat, nehme ich den Abschied; so lange muß ich schon noch aushalten.« Er seufzte. »Na, und dann ziehen meine Frau und ich uns in irgend einen netten Winkel zurück, ich halte mir Hühner und okuliere Rosen. Mein Sohn muß schon alleine sehen, wie er fertig wird. Ich bin’s müde. Aber daß Sie, Rinke, nicht längst um eine Civilversorgung eingekommen sind, begreife ich nicht. Meiner besonderen Fürsprache sind Sie sicher!«

Also auch der redete ihm zu, zu gehen?! Nein, nein! Rinke konnte sich doch nicht entschließen, wie mit Klammern hielt es ihn am Dienst fest. Wenn’s nun Krieg wurde und er kam nicht mit?! So lange er aktiv war, konnten sie ihn nicht daheim lassen. Und er mußte mit, er mußte mit, solange er noch einen Fuß rühren konnte! – –

Frau Trina hatte kein Glück mit ihren Anbohrungen, fest wie Eisen blieb ihr Mann. Da gab sie die fruchtlosen Bemühungen auf; was sollte sie auch ihren Rinke und sich selber ärgern?! Vielleicht, daß der Wilhelm mal den ›Bunten Vogel‹ übernehmen konnte! Der Großvater war schon sehr alt, und allein würde die Großmutter nie und nimmer fertig werden. Das war doch etwas andres für den Wilhelm, als das ›Schneider lernen‹!