Wenn doch Josefine wenigstens drin geblieben wäre! Aber die war gegangen, die Mutter zu wecken, der Mond schien ja schon bleich. Und der Schnee leuchtete in gespenstischer Helle. Ein Schweigen lastete draußen auf dem Platz, ein Schweigen auch in der Stube, so drückend, daß des Jungen Herz pochte.

Gott sei Dank, endlich kam die Mutter! Mit Herzlichkeit begrüßte sie den Sohn. Josefine mußte ihr von Wilhelms Übelbefinden berichtet haben, denn sie fragte mehrmals in einem Atem: »Wie jeht et dich, wie is dich jetzt, is et dich jett besser?«

»Wickel ihn doch lieber in Watte,« sagte der Feldwebel plötzlich und stieß ein kurzes Lachen aus.

Aber Frau Trina ließ sich jetzt so leicht nicht mehr einschüchtern, war sie doch die Besitzende in der Ehe, guter Bürgersleute Kind. »Laß doch,« sagte sie. »Meine arme Jung’! De hat et auch schwer jenug. Morjens als eso früh eraus, de Baas,[8] de läßt sich de Stieweln von ihm wichsen, un sie, de Meisterin, all dat Wasser un Holz schleppen! Un dat Rennen der janze Tag – de Preußen machen ja en Wirtschaft um eine armselige Knopp! Un dann nit emal sechs Penning Trinkjeld!«

»Ist auch kein Unglück,« brummte der Feldwebel. »Geld – wozu braucht der Bengel Geld? Daß er’s verraucht –« er hob rasch den Kopf, ein voller Blick traf den Sohn, der unter diesem Blick zusammenknickte – »oder mit Frauenzimmern verposamentiert!«

»Rinke!« Frau Trina sprach es vorwurfsvoll und legte den Arm um die Schultern ihres Sohnes. »Ne, de thut doch so jett nit! Dat Jüngesken!«

»Na,« – eine unheilverkündende Röte stieg langsam dem Feldwebel in die Stirn – »der Jüngste, der Beste! Da sollte man doch hierzulande die Frauenzimmer nicht kennen! Machen sich hier immer so groß mit ihren rheinischen Mädels – haha! Die Weibsbilder, die halbnackt den Malern Modell stehn, die sind auch rheinische Mädels – nette Sorte – na, ich danke!«

»Et Fina is doch auch en rheinisch Mädchen,« platzte Frau Trina heraus; sie ärgerte sich mächtig über den geringschätzigen Ton ihres Mannes.

»Die Josefine – meine Tochter?! Du bist ja verrückt!«

»No, wat dann?« Jetzt fing Frau Trina an, hell zu lachen. »Et Fina is doch in Düsseldorf jeboren, un hie is doch de Rhein! Un et is so, wie die Mädches hie all sind, akkurat so, un nun soll et auf einmal kein rheinisch Mädche sein?!«