»Meister,« sagte der Feldwebel, »ist mein Junge da?«

»Ene.« Der Schneider packte schon die Arbeit zusammen.

»Wo ist er denn? Können Sie mir’s sagen?«

»Wer – de Willem? No, de is ja bei Ihnen!«

»Bei – mir?!«

Meister Pickardt hatte fertig zusammengepackt, nun hob er den Kopf: der Feldwebel hatte so etwas Eignes im Ton, etwas Ängstliches. Über die Brille weg sah er den an: »No, wat is dann?! Diese Morje früh kam de Jung mit sei’m Bündel un sagt, er thät’ sich krank fühlen, er wollt’ en paar Tag no Huus jehn.«

»Krank – nach Haus?! – Warum in drei Teufels Namen hat Er den Bengel laufen lassen?« Wütend brüllte der Feldwebel. »Hab’ ich Ihm nicht den Bengel in die Lehre gegeben?! Wie kommt Er dazu, ihn wegzulassen?«

»No, no!« Der Meister fing an, sich zu ärgern; seine Soldatenzeit lag längst hinter ihm, er brauchte sich doch nicht mehr von dem Preußen anschnauzen zu lassen.

»Warum hat Er mir nicht sofort Meldung gemacht?«

»Wat jeht mich dat an?! Wenn de Jung’ nit in der Lehr’ bleiben will, laß hän laufen. Heutzutag’ hält mer keinen meh.« Der Meister pfiff durch die Zähne. »Krank« – er kratzte sich – »freilich, dat sagen se immer, dat is so en Stücksken, eja! ›Adjüs,‹ sagt hä for mich un jab mich de Hand, ›adjüs so lang!‹«