Sie hatten ihr noch viel Komplimente gemacht, und dann waren sie lachend davongestürmt: »Addio bellissima!« Eine Kußhand hatte der eine zurückgeworfen. Aber sie hatte sich doch geärgert, denn untergefaßt hatten sie sich alle drei und zu singen angefangen:
»Wie mich das Ding verdrießt,
Daß ’s Mädel bucklig ist!«
Die ekligen Jungen, nur zum besten hatten die sie gehabt! Andre Bürgermädchen waren doch dabei gewesen; bei so was wurde kein Unterschied gemacht, wer hübsch, wurde eben begehrt, und wer garstig, konnte zu Haus bleiben!
Ob die Cäcilie von Clermont sie wiedererkannt hätte? Oder ob die stolz geworden war? Nein, nein, die hatte ihr ja auf der Schulbank Freundschaft geschworen; und daß die Freundschaft nicht stand gehalten, daran war niemand schuld – nein, auch nicht die eingebildete ›Vons‹, die ›Madam Habenix‹, wie die Mutter immer sagte. Es paßte nun einmal nicht mehr zusammen, eine Majors- und eine Feldwebelstochter. Ein Unterschied muß sein, hatte sie der Vater belehrt. Und so war sie immer ausgewichen, wenn es der Zufall wollte, daß die schlanke Gestalt der ehemaligen Freundin vor ihr auftauchte; nur mit einem stummen Nicken, wie eine Fremde, an der vorübergehen zu müssen, das wäre ihr doch zu schwer gefallen.
Aber heute wollte sie die Cilli gucken gehen, mußte sie die gucken gehen, die glückliche Braut! So bald Frau!
Schon heiraten – ach!
Josefine schoß das Blut zu Kopf, sie dachte daran, daß das ganz schön sein müßte, wenn man einen recht lieb hätte. Den Conradi?! Ach ne, den nicht! Daß der’s auf sie abgesehen hatte, merkte sie ganz genau, und ebenso, daß der Vater es begünstigte. Am Ostersonntag hatte dieser sie und die Mutter zum Konzert in Geislers Garten geführt – das spendierte er sonst nicht –, und mit Kaffee und Törtchen hatte er sie traktiert. Und als sie im besten Schmausen waren, fand sich der Conradi ein, mit frischgewaschenen Handschuhen, die Koppel eng gezogen; und der Vater hatte ihn aufgefordert, am Tisch Platz zu nehmen.
Es war noch etwas frostig gewesen, ein rechter Frühlingstag war’s noch nicht.
Ein ganz hübscher Mensch, ein bescheidener Mensch und gewiß auch ein guter Mensch! Er machte so treuherzige Augen, wenn er sie ansah. Aber es mußte einem doch wohl mehr pressieren, mit einem zusammen zu kommen. Sie war ja auch noch so jung. Jung? Die Cilla war nicht älter wie sie!