Und ähnliche Paare folgten, nur daß bei den Herren das Bunt der Uniformen mit dem Schwarz der Fräcke wechselte. Die sämtlichen Herren des Regiments waren eingeladen und der ganze niederrheinische Adel, der den Winter in Düsseldorf mitgemacht.
Das war ein Rauschen von starrer Seide, ein Blitzen von Familiendiamanten, eine lange Reihe von stattlichen Männern und blonden, blühenden Frauen.
Der alte Herr vom Werth, vornehm wie ein Fürst, dem man’s nicht ansah, daß er in seinen jungen Jahren selber das Weberschiffchen geworfen, führte die Frau des Kommandierenden. Hinter ihnen kam, als erster Brautführer, ein junger, schlanker Leutnant, der eine der Brautjungfern am Arm hatte. Sechs andre Fräulein mit ihren Kavalieren folgten, aber keiner der Herren, fand Josefine, war nur halb so nett wie der vorderste. O, der schöne, schlanke Offizier! Der gefiel ihr.
Die Glocken hallten und hallten. Und nun flog ein Raunen durch die zuschauende Menge, man reckte den Hals, man stellte sich auf die Zehen – da war die Braut! Josefine hätte beinahe laut aufgeschrieen: wie schön!
Am Arm ihres Vaters kam sie langsam geschritten; weißgekleidete, kleine Mädchen streuten Blumen vor ihr her, Knaben in Sammetkitteln trugen ihr die Schleppe. Spitzenschleier fielen vom Kranz herunter, eine lange Perlenschnur hing ihr um den Hals. Gerade, wie eine schlanke Tanne, hielt sich die stolze Gestalt, von ihrer wolkenlosen Stirn leuchtete das Glück; es ging ein Strahlen von ihr aus. Und hinter ihr kam der Bräutigam, am Arm die Schwiegermutter – auch ein schöner, heiterer Mann!
Das Düsseldorfer Volk, das sich drängte, hätte am liebsten laut zugejubelt: das waren einmal Kinder des Glücks!
Die Kirchthür schloß sich, die Glocken schwiegen. –
Josefine kam in großer Aufregung nach Hause, nicht genug konnte sie der Mutter erzählen; sie hatte auch noch die Braut wieder aus der Kirche kommen sehen, aber diesmal hatten sich die Zuschauer nicht zurückgehalten, Rufe der Bewunderung waren hörbar geworden, ein laut begrüßendes: »Ah!« Mädchen hatten sich herzugedrängt, von den Myrtenzweiglein aufzulesen, die sich von der Schleppe der Braut gelöst. Auf allen Gesichtern Freude an der Schönheit, Befriedigung über den Glanz.
Frau Trina beschloß, wenigstens am Abend noch mit der Tochter vor den ›Breidenbacher Hof‹ gucken zu gehen.
Der Feldwebel schüttelte zwar den Kopf über die Neugier seiner Weibsbilder, aber in diesem Falle hielt er sie nicht zurück. Er selber legte sich zeitig zu Bett – morgen gab’s noch viel zu thun für die Besichtigung. Das würde dem Major auch sauer ankommen, Montag in aller Frühe auf den Gaul! Na, bald hatte es ja für den ein Ende, der hatte seinen Abschied eingereicht. Nach Godesberg oder Mehlem oder Honnef wollte er ziehen, in eines dieser kleinen Nester am Rhein, und von da das Schloß des Herrn Schwiegersohn beaufsichtigen.