Sie hätte in die Hände klatschen mögen vor Vergnügen, stellte sich auf die Zehen und reckte sich; es war ihr, als müßte sie ihn anrufen: Du, pst, Viktor! Ich bin hier!

X

Sergeant Conradi machte in diesem Frühjahr entschieden Fortschritte in Josefines Gunst. Er hatte sie auf den Karlstädter Markt führen und ihr etwas kaufen dürfen. Für einen Nähkasten und zwei Siamosenküchenschürzen hatte sie sich sehr erfreut bedankt, auch lachend in ein Zuckerei gebissen, aber ein vergoldetes Ringelchen mit einem blauen Stein wollte sie durchaus nicht annehmen. Er mußte es, etwas betreten, in der Brusttasche seiner Uniform bergen.

In’s Kölner Hänneschen hatte er sie auch geführt und sich schmählich dabei gelangweilt, denn er verstand das Hänneschen mit seiner Pritsche und Fistelstimme nicht; den Witz ebensowenig wie den Dialekt. Das einzige Vergnügen war für ihn, Josefine zu beobachten; sie lachte, daß ihr die dicken Thränen über die Backen kollerten. Karussell war er auch mit ihr gefahren, und immer hatte er noch die zwei jüngsten Brüder mitgeschleppt, die sich an die Schwester hingen wie Kletten.

Von dem Mann mit der ›Morithat‹ hatte er die Jungen gar nicht fortbringen können, obgleich er sich selbst nicht behaglich fühlte, zwischen der Menge eingekeilt. Allerlei Burschen – rechte Lotterbuben – mit roten Halstuchzipfeln, die Mützen schief auf dem Ohr, die Ellbogen herausgestreckt, standen breitbeinig umher.

»Lustige Rabauen,« sagte Josefine.

Conradi wußte es besser, sein militärisch geschultes Ohr hatte allerlei Bemerkungen aufgefangen:

»Wat will de Preuß hie?«

»Haal dei Muhl, de Kähl hat en Zäbel.«

»En Zäbel? Ene, en Kiesmetz!«[9]