»Helau, en Kiesmetz!« Ein unterdrücktes Gelächter flog durch die Menge. Conradi fühlte es, diese staute sich gegen ihn, öffnete nur widerwillig eine Gasse, um ihn herauszulassen. –
Es war gegen Pfingsten, als der Sergeant Befehl erhielt, in Elberfeld zur Probedienstleistung bei der Gendarmerie anzutreten. Der Abschied wurde ihm sauer. War auch Elberfeld nicht aus der Welt, so würde es doch schwierig werden, des Sonntags nach Düsseldorf herüberzufahren: es rauchen viel Fabrikschornsteine im bergischen Land, und der Sonnabend, der Auszahlungstag, und der folgende Sonntag noch, erforderten strammen Dienst.
So schlich der Schüchterne denn umher und suchte die Nähe des Mädchens, das er liebte. Mit dem Feldwebel hatte er gesprochen, der hatte nichts dawider; aber wenn sie ihm nur treu blieb! Da hatte er Bedenken. Wenigstens wollte er bestimmt wissen, woran er war. Das Ringelchen, das sie damals, neckisch lachend, verschmäht, trug er noch immer bei sich und paßte auf die Gelegenheit. In seinen Mußestunden hatte er schön kalligraphisch auf ein goldgerändertes Blättchen Papier hingemalt:
›Mädchen, wenn ich einmal sterbe
Und der Tod mein Auge bricht,
So pflanz’ du auf meinem Grabe
Eine Blum’: Vergißmeinnicht!‹
Viele Male hatte er das abgeschrieben; immer waren ihm die Buchstaben nicht zierlich genug, die Schnörkel nicht mächtig genug erschienen. Dies Gedicht wollte er ihr mit dem Ringelchen geben.
Am letzten Abend erwischte er sie. Unten auf dem Hof war’s, im Dunkeln. Sie stand am Brunnen und ließ Wasser in einen Krug laufen. Der Zapfenstreich hatte eben ausgetutet, einzelne Kerle wutschten noch geschwind hinein in ihre Blocks, letzter müder Lichtschein glomm in den Mannschaftsstuben. Die Ahornbäume auf dem Hof rauschten sacht, und der Pumpenschwengel quietschte leis. Am Himmel blinzelten die Sterne.
Da schob er sich zu ihr heran. »Finchen – liebes Finchen – morgen muß ich weg!« Seine Stimme klang betrübt.