»Darf ich Sie als meine Braut betrachten?« sagte er hastig und griff wieder nach ihrer Hand.

Sie ließ die ihm wohl, auch daß er einen Kuß auf ihre Wange drückte, litt sie, aber sie küßte nicht wieder. Er hätte sie gern umhalst, aber da war kein Ankommen.

»Oho, noch lang nit,« neckte sie und wich geschickt seinen Armen aus.

»Finchen, ’nen Kuß! Einen einzigen Kuß,« bettelte er.

»Ich mag Sie wohl jern leiden, Herr Sergeant,« sagte sie plötzlich ganz ernsthaft, »aber – aber –!« Und nun reichte sie ihm ihre Hand und schüttelte die seine herzhaft: »Adjüs! Lassen Se sich ’t immer jut jehen! Ich – ich will an Sie denken – oft denken – ich –« mehr sagte sie nicht, aber sie sah ihn treuherzig an. Und dann drehte sie sich um – gerade noch, daß er ihr sein goldgerändertes Papierchen zustecken konnte – und flüchtete, ihren Krug im Stich lassend, dem Hause zu.

Etwas verdutzt stand er – war sie nun seine Braut?! Aber dann faßte er sich: sie hatte ja seinen Ring und sein Gedicht. Und leise pfeifend schritt er von dannen, zärtliche Hoffnungen im Herzen. –

Sergeant Conradi war abgereist; Josefine hatte ihrer Mutter das Gedicht gezeigt, ehe sie es in den neuen Nähkasten verschloß. ›Mädchen, wenn ich einmal sterbe‹ – ach, das war doch sehr zum lachen! Auch das Ringelchen legte sie dazu, in Seidenpapier gewickelt, und vergaß dann bald, wo sie es hingethan.

Sie war sehr vergnügt; die Tage gingen hin, einer wie der andre, aber gerade darum schnell wie ein Traum. Der Vater war jetzt meist guter Laune, er war verjüngt, als sei ihm eine Hoffnung aufgeblüht: es sah kriegerisch aus. In Frankreich ging es toll her. Diesmal war es keine Täuschung, nein, diesmal gab es Krieg! Und mit den Franzosen ging es zuerst los.

Der Feldwebel saß, was er sonst höchst selten gethan, jetzt öfter mit den Kameraden zusammen. Der Kaserne gegenüber, an der Ecke der Bastionstraße, hielt ein Invalide eine Kneipe; da hatten sie ihr Standquartier aufgeschlagen, saßen in der gänzlich verräucherten Stube um den runden Tisch, tranken ihr dünnes Bier, disputierten gleich heftig wie die zankenden, französischen Parteien und amüsierten sich höhnend über den König, den Louis Philipp, der in dem allgemeinen Wirrwarr in Frankreich herumtrieb, wie ein Schiff ohne Steuer.

Krieg, Krieg war die allgemeine Losung.