›Ich weiß nicht, was soll es bedeuten,
Daß ich so traurig bin –‹
Ach ja, das schöne Lied! Das hatte sie neulich gehört, als sie, vom baden kommend, am Rhein entlang gegangen war. Ein neues Lied! Sie hatte es noch nicht gekannt, aber ihr Ohr hatte es gleich aufgefangen, aufgenommen, wie einen lieben, längst vertrauten Ton. Es sang sich von selber.
›Ein Märchen aus alten Zeiten,
Das kommt mir nicht aus dem Sinn.‹
Der Sänger war ein Schiffer gewesen, ›Sankt Goar‹ stand am Stern seines Schleppkahns. Schwarz war der Bursche wie ein Teufel – er hatte Kohlen geladen – aber seine Zähne blitzten desto weißer, und seine Augen blitzten auch. Am Bugspriet saß er, ließ die Beine über Bord hängen und sang sein Lied, unbekümmert, mit schmetternder Kraft, als wäre er allein auf der Welt.
Weit, weit über die spiegelnden Wasser war es hingeflogen, auf glatter Bahn. An der Brücke mußte man es hören können, am alten Schloß, in den Giebelhäusern bis hinauf unter die roten Dächer, jenseits zwischen den Weiden, auf den grünen Wiesen, und weit, weit bis dahinten am Horizont, wo die Sonne, rotgolden, umhängt von Duftschleiern, in Rhein und Himmel versank.
Lange hatte Josefine gelauscht, der Sänger schien nimmer zu ermüden.
›Ich weiß nicht, was soll es bedeuten,
Daß ich so traurig bin;