»Was geht ihn Ihr ›zu Hause‹ an?! Er soll sich um seine Sachen kümmern, und Sie kümmern sich um die Ihren!« Käte war im Zuge, noch mehr herauszusprudeln, zu schreien: ›Lassen Sie solche Vertraulichkeiten, ich dulde sie nicht‹, aber sie bezwang sich, wenn auch nur mit Mühe. Sie hätte dieses rundwangige, helläugige Mädchen, das so dreist blickte, ins Gesicht schlagen mögen. Da war selbst Frida Lämke noch vorzuziehen!
Aber Frida ließ sich jetzt nicht mehr so oft sehen. Sie trug schon den Rock lang bis zum Knöchel und ging in den Freistunden, die ihr die Schule ließ, zum Nähkursus, und wenn sie eingesegnet war, Ostern übers Jahr, dann sollte sie, wie sie mit großer Wichtigkeit sagte, ›nach’s Jeschäft‹.
»Ich kündige ihr,« sagte Käte eines Abends, als Cilla eben den Tisch abgedeckt hatte und sie ganz allein mit ihrem Mann saß.
»So?« Er hatte gar nicht recht hingehört. »Warum denn?«
»Darum!« Ein unterdrückter Ärger vibrierte im Ton der Frau – mehr als das, eine leidenschaftliche Erregung. Ihre sonst goldbraunen, milden Augen wurden dunkel und blickten finster in sich hinein.
»Du zitterst ja förmlich! Was ist denn nun schon wieder?!« Verstimmt legte er die Zeitung hin, die er eben hatte lesen wollen. Da war wieder etwas mit dem Jungen los; nur dann erregte sie sich so!
»Es geht nicht länger!« Ihre Stimme war hart, hatte jeden Schmelz verloren. »Und ich dulde es nicht! Denke dir, als ich heute nach Hause komme – ich war gegen Abend eine Stunde fort, kaum eine Stunde –, Gott, Gott, man kann sich doch nicht immer zur Aufpasserin machen, man erniedrigt sich ja vor sich selber!« Leidenschaftlich verschlang sie die Hände, preßte sie so heftig ineinander, daß die Knöchel ganz weiß wurden. »Ich hatte ihn an seinem Pult gelassen, er hatte so viel auf, und als ich wiederkomme, war kein Strich gemacht! Aber unten, hinten vor der Küchentür, da – da höre ich sie!«
»Wen denn?«
»Nun, Wolfgang und die – die Cilla! Kaum bin ich fort!«
»Nun und?!«