Sie hatte geschwiegen, seufzend, in einem tiefen Kummergefühl, das den Zorn aus ihren Augen verjagte.

»Er legte ihr von hinten den Arm um den Hals! Und hat sie geküßt! ›Liebes Cillchen!‹ Und sie zog ihn an sich, nahm ihn fast auf den Schoß – dazu ist er viel, viel zu groß – – und redete immer in ihn hinein!«

»Hast du verstanden, was sie sagte?«

»Nein. Aber sie lachten. Und dann gab sie ihm einen Klaps gegen die Kehrseite – du hättest es nur sehen sollen! – und dann er ihr. Hin und her ging das. Ist das passend?!«

»Das geht zu weit, da hast du recht! Aber schlimm ist es nicht. Sie ist eine gute, noch ganz unverdorbene Person, er ein dummer Junge. Darum wirst du das Mädchen doch nicht entlassen? Ich bitte dich, Käte! Haben sie dich bemerkt?«

»Nein!«

»Nun, dann tu auch nicht desgleichen. Das ist viel klüger. Ich werde mir den Jungen schon mal bei Gelegenheit vornehmen!«

»Und du meinst, ich könnte – ich kann – ich muß sie nicht entlassen?« Käte war ganz kleinlaut geworden gegenüber seiner Ruhe.

»Dazu liegt gar kein Grund vor!« Er war völlig überzeugt von dem, was er sagte, und wollte wieder zu seiner Zeitung greifen. Da fing er ihren Blick auf und streckte ihr die Hand über den Tisch hin: »Liebes Herz, nimm nicht alles so schwer! Du verkümmerst dir ja das Dasein – dir – dem Jungen – und – ja, auch mir! Nimm’s leichter! – So, und nun will ich endlich mal zu meiner Zeitung kommen!«

Käte stand leise auf – er las ja! Sie hatte ihm ihre Hand nicht gelassen. Seine Ruhe verletzte sie. Das war schon mehr als Ruhe, das war Gleichgültigkeit, Lässigkeit! Aber sie wollte nicht lässig sein, nein, sie wollte nicht müde werden!