Und sie ging ihrem Knaben nach.
Wolfgang war schon oben in seinem Zimmer. Er war zwar noch an Cilla, die unten in der Küche das Geschirr abtrocknete, leise von hinten herangeschlichen, hatte sie gezwickt, sie dann mit beiden Armen umfangen und um eine Geschichte gebettelt: »Erzähl mir was!« – aber sie hatte nicht gewollt.
»Ich weiß nichts!«
»Och, erzähl mir doch! Von der Prozession! Oder wenn’s nur von eurer Sau ist! Wieviel hatte die doch ’s letzte Mal geworfen?«
»Dreizehn!« Der Frage war zwar nicht zu widerstehen, aber doch blieb Cilla wortkarg.
»Kalbt eure Kuh auch dieses Jahr? Wieviel Kühe hat denn der größte Bauer bei euch? Weißt du, der unten an der Warthe, der Hauländer! Sag doch?!« Er wußte ganz genau Bescheid, kannte alle Leute bei ihr zu Hause und alles Vieh. Er konnte nie genug davon erzählen hören und von dem Land, über das die Glöckchen bimmeln zur Frühmesse und zur Vesper oder tief und feierlich rufen am Sonntage um die Hochamtszeit. Vom Lande hörte er zu gern erzählen, von Ackerbreiten, auf denen blauer Flachs und goldner Roggen steht, von blauenden Waldstrichen am Horizont, von weiten, weiten Heidestrecken, auf denen die Bienen emsig über blühendem Kraut summen und abends an stillen Wassern, wenn Himmel und Sonne sich rot darin spiegeln, der Sumpfvogel schreit.
»Erzähl davon!« Er bettelte und drängte.
Aber sie blieb unlustig und schüttelte den Kopf: »Nee, geh schon, nee, ich will nich! Die Frau hat mer heute abend wieder so angesehn – ach, so – nee! Ich glaube, sie will mer wohl kündigen!«
Verdrießlich war er in sein Zimmer hinaufgeschlichen und hatte sich ausgekleidet. Er war so daran gewöhnt, er konnte gar nicht gut schlafen, wenn Cilla ihm nicht vorher etwas erzählt hatte. Dann schlief er so sanft ein und träumte so wunderschön von weiten Heidestrecken, die rot blühten, von stillen Wassern, an denen der Sumpfvogel schrie, den er jagen ging.
Ach, die Cilla, was die nur heut hatte! Wie dumm! ›Die Frau wird mer kündigen‹ – Unsinn, als ob er das litte! Und er ballte die Faust.