Da knarrte die Tür.

Er reckte den Hals: war sie’s, kam sie doch noch?! Die Mutter war’s. Geschwind schlüpfte er ins Bett und zog die Decke bis an die Stirn. Mochte sie denken, er schliefe schon!

Aber sie dachte das nicht, sondern sie sagte: »So, bist du noch wach?« und setzte sich auf den Stuhl beim Bett, auf dem seine Sachen lagen. Da saß auch sonst immer die Cilla. Er verglich im stillen die beiden Gesichter. Ah, die Cilla war doch viel hübscher, so weiß und rot, und hatte Grübchen in ihren dicken Backen, wenn sie lachte, und war so vergnügt! Häßlich war die Mutter zwar auch nicht!

Er hatte sie aufmerksam betrachtet; und da überkam es ihn plötzlich mit einem ihm sonst gänzlich unbekannten Gefühl: ach, sie hatte ja so schmale Bäckchen! Und an den Schläfen herunter das weiche Haar – das war ja – das –

»Du wirst ja grau,« sagte er auf einmal, förmlich erschrocken, und streckte den Finger aus: »Da, ganz grau!«

Sie nickte. Ein Zug des Unbehagens verlängerte ihr Gesicht und ließ es noch schmäler erscheinen.

»Du müßtest mehr lachen,« riet er. »Dann sähe man gar nicht, daß du Falten hast!«

Falten – ach ja, Falten! Mit einer nervösen Bewegung fuhr sie über die Stirn. Was Kinder für unbarmherzige Augen haben! Mit Jugend und Schönheit war’s wohl endgültig vorbei – den letzten Rest aber, den hatte der Knabe hier genommen! Und wie ein Vorwurf klang’s: »Das machen die Sorgen. Deine schwere Krankheit und – und –« sie stockte, sollte sie jetzt von dem anfangen, was sie so beunruhigte? »Und da ist noch manches andre,« schloß sie mit einem Seufzer.

»Das glaub ich wohl,« sagte er unbefangen. »Du bist ja auch schon alt!«

Nun, ehrlich war er, das mußte man gestehen; aber ohne eine Spur von Zartgefühl! Sie konnte eine leise Gereiztheit nicht unterdrücken; es war nicht angenehm, sich von seinem Kinde an sein Alter erinnern zu lassen. »So alt bin ich denn doch noch nicht,« sagte sie.