»Ich muß nu jehn,« sagte sie plötzlich, »sonst krieg ich nich mal mehr mein Mittagessen jejessen – au, hab ich ’n Hunger!« Sie legte die Hand auf den Magen: »Das wird schmecken! Mutter hat heute Pellkartoffeln un Hering!«
»Ich gehe mit!« Seinen Schritt dem ihrigen anpassend, trabte er neben der eilig Trippelnden her.
Sie war ganz rot geworden: was würde die Mutter sagen, wenn sie Wolfgang mitbrachte?! Nein, das ging wirklich nicht an, es war ja heute, gerade heute bei ihnen nicht aufgeräumt! Und gelogen hatte sie auch: es gab ja gar nicht Hering, nur Zwiebelsauce zu den Pellkartoffeln!
Sie genierte sich vor Wolfgang. »Nee, jeh du man nach Hause,« sagte sie und verschanzte sich hinter einem Schmollen, »biste so lange nich bei uns jewesen, brauchste auch heute nich. Ich bin dir böse!«
»Mir böse – mir?! Was hab ich denn getan? Ich sollte doch nicht zu euch kommen, ich durfte doch nicht – dafür kann ich doch nicht! Frida!«
Sie fing an zu rennen, blutrot im Gesicht; er rannte neben ihr her. »Frida! Frida, mir, mir kannst du doch nicht böse sein?! Och, Frida, sei doch nicht so! Frida, laß mich doch mitgehen! Nun bin ich dir endlich mal begegnet, und nun bist du so?!«
Es lag Trauer in seiner Stimme. Sie fühlte die wohl heraus, aber zugleich ärgerte sie sich: was brauchte er sich ihr so anzukleben! Flebbe würde das auch gar nicht recht sein! Und so sagte sie schnippisch: »Wir passen ja doch nich zusammen. Jeh du nur mit deinen Fräuleins. Zu denen jehörste nu mal!«
»Sag das noch mal – untersteh dich!« Grob schrie er’s und hob die Hand, als wollte er ihr einen Schlag geben. »Dumme Zieraffen, was gehen die mich an?!«
Er hatte recht – das mußte sie ihm innerlich zugestehen – nie hatte er sich an einen der Backfische herangemacht, die hier rund herum in den Villen wohnten. Sie wußte es wohl, daß er sie allen vorzog, und fühlte sich geschmeichelt in ihrer Eitelkeit; besänftigend sagte sie, aber zugleich ausweichend: »Nee, Wölfchen, du kannst aber doch nich mehr mit mir jehen, es paßt sich doch nu mal nich mehr!« Und sie bot ihm die Hand: »Adieu, Wolfgang!«
Sie waren gerade zwischen dem Buschwerk eines kleinen Schmuckplatzes mit Bänken, an dem die Villen, hinter Vorgärten ganz versteckt, weit zurücklagen. Kein Mensch war in Sicht im stillen Mittagssonnenglanz. Aber wären auch Leute gekommen, es hätte ihn nicht abgehalten; mit beiden Armen packte er sie wie in einer Art von Wut: »Ich gehe mit – ich laß dich nicht!«