Unsanft wehrte sie sich: was fiel dem dummen Jungen ein?! Der war wohl verrückt?! »Laß mich doch,« fauchte sie wie eine kleine Katze, »läßte mich jleich los?! Au! Warte man, ich sage es Flebben, der soll dir auf ’n Kopp kommen! Laß mich doch in Ruhe!«

Er ließ sie nicht los. Ohne Wort hielt er sie umklammert, seine Bücher lagen wieder im Staub.

Wollte er sie küssen oder schlagen?! Sie wußte es nicht; aber sie hatte Angst vor ihm und wehrte sich wie sie konnte. »Du Durchbrenner,« zischte sie ihn an, »na, du bist ’n Schöner! Rennt fort von Hause, verkriecht sich im Walde! Aber sie haben dir ja doch jekriegt – ätsch!«

Er hatte sie plötzlich losgelassen; sie stand vor ihm und höhnte ihn aus. Nun hätte sie gut fortlaufen können, aber nun reizte es sie, stehen zu bleiben und ihn herunterzumachen: »Durchbrenner! Auskneifer!«

Er war sehr rot geworden, den Kopf hielt er tief gesenkt.

»Wie konntste das bloß machen?« fuhr sie fort mit einer gewissen Grausamkeit. »Na, so dumm! Alle haben se dir ausjelacht! Wir wollten ’t absolut erst jar nich jlauben. Nee, ich sage, rennt der Bengel weg, ohne Jeld, ohne Mütze, ohne ’n Stück Brot in der Tasche! Du wollt’st wohl so nach Amerika, was?!« Sie musterte ihn von Kopf bis zu Füßen, und dann warf sie ihren Oberkörper ein wenig hintenüber und lachte laut: »Na, so was!«

Er hob den Kopf nicht, murmelte nur vor sich hin: »Lachen sollst du nicht drüber – nein, lachen nicht!«

»Na, was denn? Vielleicht weinen? Was jeht’s mich an! Deine Mutter hat jenug drüber jeweint, un dein Vater ist ’rumgerannt wie ’n Verrückter. Die janzen Beamten vons Revier waren auf ’n Beinen. Sag mal, du hast wohl ordentlich Dresche jekriegt, als sie dir nach Hause brachten am Schlafittchen?!«

»Nein!« Er hob plötzlich den Kopf und sah ihr starr in die ein wenig boshaft funkelnden Augen.

Es war etwas in diesem Blick – ein stummer Vorwurf – das zwang sie, ihre Lider zu senken.