Eine ungeheure Enttäuschung kam über Wolfgang, denn – hatte er nicht auf den Spruch geharrt wie auf eine Offenbarung?! Der Spruch, der Spruch, der sollte ein Gottesurteil sein! Der wollte sagen: was wahr war – oder was nicht wahr war. Und nun –?!
›Wir haben hier keine bleibende Statt,
die zukünftige suchen wir‹ –
nun sagte der gar nichts!
In allen Hoffnungen betrogen, erhob er sich mechanisch von der Altarstufe. Er sah nicht, daß der Blick der Mutter ihn heimlich grüßte, daß auch der Vater ihm verstohlen zunickte, Freundlichkeit im Gesicht; er war ganz verstört, ganz ernüchtert, ganz benommen von dieser Enttäuschung.
Wär’s nur schon zu Ende hier! Ach, wie ermüdend war dieses lange Stillesitzen! Wolfgang war blaß und gähnte verstohlen; die durchwachte Nacht machte sich geltend, kaum daß er sich des Einschlafens enthielt. Endlich, endlich erklang das Amen, endlich, endlich brauste von der Orgel der Schlußchoral!
Strömend, wie eine nicht endenwollende Flut, ergoß sich die übergroße Menge aus der Kirche. Jedes Kind gesellte sich zu seinen Eltern; zwischen Vater und Mutter traten die Eingesegneten aus dem Portal.
Auch Wolfgang ging so, wieder wie vordem. Vor sich sah er Kullrich – nur mit seinem Vater; beide trugen noch immer den breiten Trauerflor. Da machte er sich los von den Seinen und trabte rasch hinter Kullrich her. Er hatte dem nie besonders kameradschaftlich nahegestanden, aber nun faßte er ihn bei der Hand und drückte und schüttelte sie ihm, stumm, ohne Worte, und machte dann rasch wieder kehrt.
Die impulsive Teilnahme ihres Sohnes rührte Käte tief; sie war ohnehin heute unendlich weich. Als Wolfgang wieder neben ihr schritt, sah sie ihn von der Seite an mit tiefem Gefühl: ach, er war doch gut, so gut! Und heiße Hoffnungen und Wünsche stiegen aus ihrer Seele zum Himmel empor.
Licht war der Himmel, so blau, kein Wölkchen daran.