»Das weiß ich nicht. Das will ich ja eben von euch wissen,« sprach wieder die harte Knabenstimme.
Es war merkwürdig, wie ruhig diese Stimme klang, aber sie dünkte Käte doppelt entsetzlich in dieser sachlichen Einförmigkeit.
Nun hob sie sich ein wenig: »Gib mir doch Antwort – ich will – ich muß es wissen!«
Käte schauderte: welche Unerbittlichkeit, welche Hartnäckigkeit lag in diesem ›Ich will‹ – ›Ich muß‹ –! Der würde nie mehr aufhören, zu fragen! Wie vernichtet sank sie bebend ganz in sich zusammen.
Auch des Mannes ruhige Stimme verriet ein heimliches Beben: »Lieber Junge, dir hat mal wieder einer – ich will nicht fragen: wer, es gibt immer Klätscher und Hetzer genug – etwas in den Kopf gesetzt. Warum stellst du dich so feindlich gegen uns? Sind wir dir nicht immer wie Vater und Mutter gewesen?«
O, das war falsch – wie Vater und Mutter?! Grundfalsch! Käte fuhr auf. Sie streckte die Arme aus: »Mein Junge!«
Aber er blieb stehen, als bemerkte er diese ausgestreckten Arme nicht; die Brauen finster zusammengezogen, sah er nur den Mann an. »Ich weiß wohl, daß du mein Vater bist, aber sie – die –« er warf einen flüchtigen Seitenblick – »die ist meine Mutter nicht!«
»Wer sagt das?!« Käte schrie laut auf.
»Alle Welt!«
»Nein, niemand! Das ist nicht wahr! Eine Lüge, eine Lüge! Du bist mein Kind, mein Sohn, unser Sohn! Und wer das leugnet, der lügt, betrügt, verleumdet, der –«