»’n Abend,« sagte er laut und vergnügt. Und dann räusperte er sich, wie eine leichte Verlegenheit herunterschluckend, und sagte leise, der Mutter einen Schritt näher tretend: »Pardon, Mama, ich habe verschlafen, ich hatte keine Ahnung, wie spät es war – ich war todmüde!«
Sie sagte noch immer nichts.
Er wußte nicht, wie er mit ihr daran war. Sie war so still, das beirrte ihn ein wenig. »Ich bin gestern abend nämlich sehr spät nach Hause gekommen!«
»So – bist du?« Sie wendete den Kopf von ihm weg und sah wieder angelegentlich hinaus in den Garten, wo Paul jetzt gerade mit Friedrich sprach und mit dem Finger zu einem schon blühenden Zierkirschenbaum hinaufwies.
»Ich glaube wenigstens,« sagte er. Was sollte er sagen? War sie böse?! In der Tat, er mußte wohl sehr spät nach Hause gekommen sein, um wieviel Uhr konnte er sich nicht erinnern, er konnte sich überhaupt an nichts klar erinnern, es war ihm alles etwas dunkel. Er hatte auch einen bösen Traum gehabt, sich scheußlich gefühlt, aber jetzt war ihm wohl, so wohl! Nun, wenn sie was gegen ihn hatte, konnte er ihr auch nicht helfen!
Die Lippen wieder zu einem leisen Pfeifen, wie Vogelzwitschern spitzend, wollte er, die Hände in den Taschen seiner gutsitzenden modischen Hose, von der Veranda herab in den Garten schreiten, als sie ihn zurückrief.
»Du wünschest, Mama?«
»Du warst betrunken,« sagte sie leise und heftig.
»Ich –?! Oh!« Eine plötzliche Verlegenheit überkam ihn: war er wirklich betrunken gewesen? Er hatte keine Ahnung davon. Aber freilich, es konnte am Ende sein, er hatte ja auch gar keine Ahnung, wie er nach Hause gekommen war!
»Du hast wohl wieder aufgesessen und auf mich gewartet?!« Mißtrauisch sah er sie von der Seite an, seine breite Stirn zog sich über der Nasenwurzel in eine so tiefe Falte, daß die dunklen Brauen ganz zusammenstießen. »Du mußt nicht immer auf mich warten,« sagte er dann mit heimlicher Ungeduld, aber äußerlich im Ton der Besorgnis. »Das nimmt mir ja jede Lust, etwas mitzumachen, wenn ich denke, du opferst deine Nachtruhe. Bitte, Mama, tu das nicht mehr!«