Sorglos zuckte dieser die Achseln: »Ich weiß wirklich nicht, Papa, was ich verbrochen habe. Es ist mir alles etwas schleierhaft. Aber es soll nicht mehr vorkommen, gewiß nicht!«
Und sie schüttelten sich die Hände.
Nun rührte sich doch etwas in Käte; sie hätte aufspringen mögen, schreien: ›Glaub ihm nicht, Paul, glaub ihm nicht! Er wird sich doch wieder betrinken, ich traue ihm nicht! Ich kann ihm ja nicht trauen! Hättest du ihn gesehen, wie ich ihn gesehen habe – o, er war ja so gemein!‹ Und wie eine Vision tauchte plötzlich eine Bauernschenke vor ihr auf, eine Schenke, die sie nicht gesehen hatte – rohe Kerle saßen um den Holztisch, die Ellbogen aufgestemmt, pafften stinkenden Tabak von sich, tranken wüst, gröhlten wüst – – ah, saßen da nicht sein Vater, sein Großvater auch darunter, alle die, von denen er abstammte?! Eine furchtbare Angst fiel über sie her: das konnte ja nie, nie gut enden!
»Du bist so bleich, Käte,« sagte Schlieben beim Abendbrot. »Du hast zu lange stillgesessen; es ist doch noch zu kalt draußen!«
»Ist dir nicht wohl, Mama?« fragte Wolfgang höflich-besorgt.
Käte antwortete dem Sohn nicht, sie sah nur zu ihrem Manne hin und schüttelte verneinend-abwehrend den Kopf: »Mir ist ganz wohl!«
Da gaben sie sich zufrieden.
Wolfgang aß mit gutem Appetit, mit besonders großem sogar; er war völlig ausgehungert. Es gab auch lauter gute Sachen, die er gern aß: warmes Hühnerfrikassee mit Kalbsmilch, Klößchen und Krebsschwänzen, und dann noch feinen Aufschnitt, Butter und Käse und junge Radieschen.
»Junge, trink nicht so viel,« sagte Schlieben, als Wolfgang schon wieder nach der Weinflasche griff.
»Ich habe Durst,« sagte der Sohn mit einem gewissen Trotz, schenkte sein Glas aufs neue voll bis an den Rand und goß es hinunter auf einen Zug.