»Das kommt vom Schwärmen!« Der Vater hob leicht drohend den Finger, lächelte aber dabei.
›Vom Saufen kommt’s‹ dachte Käte, und der Ekel schüttelte sie wieder; sie hatte sonst, selbst in Gedanken, nie einen solchen Ausdruck gebraucht, nun dünkte ihr keiner stark, schroff, verächtlich genug.
Es kam keine gemütliche Unterhaltung zustande, trotzdem das Zimmer so wohnlich war, der Tisch so reich besetzt, Blumen auf dem weißen Tuch, zierlich eingesteckt in eine kristallene Schale, und über dem allen mildes, gedämpftes Licht unter einem grünseidenen Schirm. Käte war so einsilbig, daß Paul bald nach der Zeitung griff, der Sohn verstohlen durch die Nase gähnte und endlich aufstand. Das war denn doch zu gräßlich öde, hierzusitzen! Ob er noch einmal nach Berlin hineinfuhr oder zu Bette ging?! Er wußte selbst nicht recht, was tun.
»Du gehst jetzt zu Bett?!« Es sollte wie eine Frage klingen, aber Käte hörte selber, daß es nicht wie eine Frage klang.
»Natürlich geht er jetzt zu Bett,« sagte der Vater, einen Augenblick den Kopf hinter seiner Zeitung hervorhebend. »Er ist müde. Gute Nacht, mein Junge!«
»Ich bin nicht müde!« Wolfgang wurde rot und heiß: was fiel ihnen denn ein, ihm einreden zu wollen, er sei müde?! Er war doch kein Kind mehr, das man zu Bette schickt! Besonders der Mutter Ton reizte ihn – ›du gehst jetzt zu Bett‹ – das war ja ein Befehl!
In seinen dunklen Augen wurde der Glanz zum Flackern; ein Zug von Trotz und Widersetzlichkeit machte sein Gesicht nicht angenehm. Man hätte wohl sehen können, wie es in ihm aufbrauste, aber der Vater sagte: »Gute Nacht,« und hielt ihm, mit seiner Zeitung vorm Gesicht, ohne aufzublicken, die Hand hin.
Die Mutter sagte auch: »Gute Nacht!«
Und der Sohn ergriff eine Hand nach der andern – auf der Mutter Hand drückte er den gewohnten Kuß – und sagte: »Gute Nacht!«