»Viel zu anstrengend, ganz unvernünftig!« Schlieben sagte es nicht ohne Besorgnis: Hofmann war eigentlich gar nicht sehr dafür, daß der Junge schwamm!
»Unvernünftig, anstrengend?! Haha!« Wolfgang amüsierte sich. »Das ist mir doch ’ne Kleinigkeit! Weißt du, eigentlich habe ich meinen Beruf verfehlt, du hättest mich nicht ins Kontor stecken sollen. Schwimmer, Reiter hätte ich werden sollen oder – na, so ’n Cowboy im wilden West!«
Er hatte es scherzend gesagt, ohne jede Absichtlichkeit, aber es wollte den Mann, der ihn mit plötzlich mißtrauisch gewordenen Augen ansah, bedünken, als berge sich hinter dem Scherz ein Ernst, eine Anklage. Was wollte er denn, wollte er wie ein zügelloser Knabe ins Leben hineingaloppieren?!
»Nun, deine sportlichen Fähigkeiten werden dir ja schon zustatten kommen, wenn du deine Militärzeit abmachst,« sagte er kühl. »Vorderhand ist das wichtiger, was du hier zu tun hast. Hast du den Lieferungsvertrag für Weiß Gebrüder entworfen? Zeig mal her!«
»Sofort!«
Wolfgang verschwand; aber es dauerte eine ganze Weile, bis er wiederkam. Hatte er jetzt erst rasch die ihm als dringend überwiesene und sorgfältig auszuführende Arbeit erledigt?! Die Tinte war noch ganz frisch, die Schrift, wenn auch leserlich, so doch sehr flüchtig; keine Kaufmannsschrift! Schlieben runzelte die Stirn, er war heute merkwürdig gereizt. Zu andrer Zeit hätte ihm die Geschwindigkeit, mit der der Junge die verabsäumte Arbeit nachgeholt hatte, gewissermaßen imponiert; aber heute ärgerte ihn die Flüchtigkeit der Schrift, die Tintenspritzer am Rand, die ganze Nachlässigkeit, die ihm gleichbedeutend schien mit Interesselosigkeit.
»So, hm« – er prüfte noch einmal kritisch –, »wann hast du denn das gemacht?«
»Als du mir’s auftrugst!« Wolfgang sagte das so unverfroren, daß man unmöglich daran zweifeln konnte.
Schlieben schämte sich ordentlich: wie doch so ein Körnchen Mißtrauen gleich aufgeht! Da hatte er dem Sohn wirklich unrecht getan! Aber das mit dem Gelde, das blieb doch nun einmal bestehen, darin war der Junge doch nicht offen und ehrlich gewesen! Es war dem Vater, als könne er dem Sohne von jetzt ab doch nicht mehr ganz trauen. –
Es war kaum Mittag, als Wolfgang schon wieder das Kontor verließ. Er hatte sich mit ein paar Bekannten verabredet, im Kaiserkeller unweit der Linden; ob er nun da frühstückte oder da, frühstücken mußte er doch; nur ein belegtes Brötchen, wie der Vater sich eins mitnahm, konnte ihm nach Schwimmen und Reiten nicht genügen.