Frau Lämke nahm’s ruhiger: »Nu wer ich vielleicht nach Eberswalde fahren bei meinen Bruder oder an Ende bei meine Schwester ins Riesenjebirge! Un ich jebe für’n paar Wochen de Reinemachstellen uf, det wird mir riesig jut tun. Der jute Junge, das ’s scheen von ihn, daß er an seine alte Freundin denkt – na, er kann’s ja ooch, was sind fufzig Mark für so eenen?!« –

Wolfgang war, als er Frida bis an ihre Haustür gebracht hatte, langsam weitergeschlendert, den Tennisschläger unterm Arm, die Hände in den Taschen der weiten Hosen. Über ihm spannte sich ein reichgestirnter Nachthimmel, unendlich freundlich blinkten goldene Augen zu ihm nieder; alles Räderrollen war verstummt, keine Spaziergänger in großen Trupps wirbelten mehr den Staub der Straße auf. Was die hin und wieder rollenden Sprengwagen des Tages nicht vermocht hatten, das hatte jetzt der Tau der Nacht getan. Der lose Sand war gelöscht, eine kühlende Frische stieg vom Boden auf, Bäume und Büsche dufteten nach Grün; von Gartenbeeten, im Dunkel versunken, stiegen Blumengerüche auf. Wolfgang atmete mit Wohlgefühl, leise pfiff er; eine friedvolle Freudigkeit war in ihm: nun war es doch gut, daß er sich nicht mehr in Berlin umhertrieb! Es war so nett gewesen mit Frida, wie gut hatte er sich mit ihr unterhalten – und dann – es machte ihm wirklich ein riesiges Vergnügen, Mutter Lämke ein wenig unter die Arme greifen zu können!

So recht im Innersten vergnügt kam er zu Hause an.

»Die Herrschaften haben längst abgegessen,« erlaubte sich Friedrich mit einem gewissen Vorwurf zu bemerken – der junge Herr war denn doch gar zu unpünktlich!

»Na, wenn schon,« sagte Wolfgang. »Sagen Sie der Köchin, sie soll mir rasch noch was machen, ein Kotelett oder Beefsteak, oder was gab’s denn sonst heute abend? Ich habe ’nen Mordshunger!«

Friedrich sah ihn ganz verdutzt an: jetzt noch, um halb elf noch? Das war doch Herrn Schlieben oder der gnädigen Frau noch nie eingefallen, so etwas zu verlangen – warmes Abendbrot noch, um halb elf Uhr?! Er stand zögernd.

»Na, wird’s bald,« sagte der junge Herr über die Schulter weg und ging ins Eßzimmer hinein.

Da saßen die Eltern – beide lasen – noch am Tisch, aber der Tisch war leer.

»Guten Abend,« sagte der Sohn, »schon abgedeckt?!« Aus seinem Ton klang laut die Verwunderung.

»Na, da bist du ja!« Der Vater nickte ihm zu, aber sah dabei nicht auf, er schien von seiner Lektüre ganz in Anspruch genommen. Und die Mutter sprach: »Setzt du dich noch ein wenig zu uns?«