Dem jungen Menschen fröstelte auf einmal. Draußen war’s wohlig warm gewesen, hier innen kühl.

Und dann war es eine Weile ganz still, bis Friedrich mit einem Tablett hereinkam, auf dem, neben dem Gedeck, nur ein wenig kaltes Fleisch, Brot, Butter und Käse zu sehen waren. Es fiel Wolfgang auf, wie laut er klapperte; für gewöhnlich servierte das Hausmädchen. »Wo ist denn Marie?«

»Zu Bett!« sagte die Mutter kurz.

»Schon?!« Wolfgang wunderte sich im stillen darüber. Horch, da schlug eben drüben die Pendüle in Mutters Zimmer – elf?! Wirklich schon elf Uhr?! Da konnten sie aber machen, daß er etwas zu essen kriegte, der Magen schrumpfte ihm ja ordentlich zusammen vor Hunger! Er sah unverwandt nach der Tür, durch die Friedrich wieder verschwunden war: gab’s nun bald was?!

Er wartete.

»So iß doch!« Die Mutter rückte ihm das Schüsselchen mit kaltem Fleisch näher.

»Warum ißt du denn nicht?« fragte der Vater plötzlich.

»O, ich warte ja noch!«

»Es gibt nichts andres mehr,« sagte die Mutter, und ihr Gesicht, das unendlich abgespannt aussah, wie das eines Menschen, der lange und vergeblich gewartet hat, rötete sich schwach.

»Nichts andres – nichts mehr – wieso denn?!« Der Sohn sah außerordentlich enttäuscht drein, sah von der Mutter auf den Tisch, aufs Büfett und dann wie suchend im Zimmer umher.