Schlieben beschloß, vom nächsten Ersten ab das Monatsgeld des Sohnes um hundert Mark zu erhöhen. Dann war es doch gewiß reichlich bemessen, ein Nichtauskommen und Verheimlichen war dann ein für allemal ausgeschlossen!

Es war schon weit nach Mitternacht, als Eltern und Sohn sich endlich trennten. Mit einem lange nicht mehr gekannten Wohlgefühl streckte sich Käte in ihrem Bett: heute würde sie bald einschlafen, heute würde sie nicht mehr so lange liegen müssen und auf den Schlaf harren, heute war sie so befriedigt, so beruhigt, so still in sich. Es war ja alles nun auf besserem Wege, es würde am Ende doch noch alles gut werden! Und leise flüsterte sie zu ihrem Mann hinüber: »Du – Paul!« Er hörte sie nicht, er war schon im Einschlafen. Da raunte sie eindringlicher: »Du, Paul!« Und als er sich regte, sagte sie weich: »Paul, bist du mir böse?!«

»Böse? Aber warum denn?!«

»Ach, ich meinte nur!« Sie mochte es nicht erklären, es tat ja wohl auch nicht not, hatte sie doch das Gefühl, als empfände auch er’s, daß nun auch zwischen ihnen beiden alles wieder besser, schöner, inniger und einiger sich gestalten würde. Ach ja, wenn sie sich mit ihm – mit dem Sohn – besser fanden, dann fanden auch sie beide sich wieder!

Eine heiße Sehnsucht nach den Tagen der Liebe überkam die alternde Frau. Sie schämte sich vor sich selber, aber sie konnte es nicht lassen, sie langte nach dem Nebenbett: »Gib mir deine Hand, Paul!«

Und als sie im Dunklen tastete und suchte, begegnete sie seiner auch suchenden Hand. Ihre Hände legten sich ineinander.

»Gute Nacht, lieber Mann!«

»Gute Nacht, liebe Frau!«

So schliefen sie ein. – – –

Wolfgang stand am Fenster seiner Stube, sah hinaus ins Dunkel, das alle Sterne verhüllte, und hörte das Brausen eines fernen Windes. War die Nacht so beklommen, oder war nur ihm so unerträglich schwül? Ein Gewitter schien aufzuziehen. Oder war es nur eine innere Unruhe, die ihn so belästigte? Was war es denn, das ihn quälte?!