»Nee, gar nich! Aber warten Sie mal!« Die Lust am Schwatzen machte alle vorgenommene Zurückhaltung der Wirtin zuschanden. Der auf einen Stuhl Hingesunkenen nähertretend und sich einen Stuhl heranziehend, schwatzte sie umständlich: »Sonntag war’s – nee, Sonnabend merkt ich schon: der hat was. Ja, das ist einer, ein ganz forscher! Rein verrückt war er!«

»Wieso denn?! ›Verrückt‹, sagen Sie?!«

Die Vermieterin lachte. »Ach, so mein ich ja gar nich, das müssen Sie nich gleich so wörtlich nehmen, gnä’ Frau! Na, ebent so – na, wie soll ich denn schon sagen? – na, so wie sie dann alle sind! Na, und abends ging er dann wie gewöhnlich weg – na, und dann kam er ebent nich mehr zu Hause!«

»Und wie – wie war er –?!« Ruckweise nur stieß die Mutter die Worte hervor, sie konnte gar nicht zusammenhängend mehr sprechen, ein sie plötzlich überfallender Schreck lahmte fast ihre Zunge. »War er – etwa verstört?!« Wie eine Vision tauchte sein fahles Gesicht vor ihr auf, und da bei Schildhorn der verwehte Platz im Sand – mancher Mutter Sohn, mancher Mutter Sohn – Gott, Gott, wenn er sich ein Leides getan hätte! Sie zitterte wie Laub im Sturm und sank ganz in sich zusammen.

Die Wirtin erriet instinktiv der Mutter Gedanken; gutmütig-beruhigend versicherte sie: »Nee, gar nich an zu denken! Der war nich traurig – auch nich grade vergnügt – na, so – so – na, grade so in der richtigen Stimmung!«

»Und Sie – ach, können Sie mir nicht einen – einen Wink geben – wo – wo er hin – sein könnte?«

Die Frau wiegte zweifelnd den Kopf: »Wer kann das wissen! Sehen Sie, gnä’ Frau, der Versuchungen gibt’s gar viele. Aber, warten Sie mal!« Sie kniff die Augen zu und dachte nach. »Da kam mal vor einiger Zeit immer so’n hübsches Mädchen her, sie holte ihn immer ab, sie sagte ›zum Theater‹ – na, es kann ja auch wahr gewesen sein! Oft kam sie, sehr oft – mindestens einmal die Woche! Blond war sie, wirklich ’n hübsches Mädchen!«

»Blond – ganz hellblond – viel Haar, wellig über den Ohren?!«

»Ja ja, so war sie frisiert, über die Ohren gekämmt, hinten ’nen mächtigen Knoten – so recht auffallend hellblond! Und sie duzten sich!«

Blondes Haar – auffallend blond! Ah, das hatte sie damals gleich gewußt, als sie ihn in Schildhorn sah mit der Blonden! Wie eine Erleuchtung kam es über Käte. »Sie – wissen wohl nicht – ach, wissen Sie vielleicht, wie sie heißt?«