»Nee, Frida is nich zu Hause!« Die Lämke blickte noch verdutzter: was wollte die gnädige Frau denn von Frida? Um die hatte sie sich noch nie gekümmert! »Frida is ins Jeschäft!«

»So? Wissen Sie das ganz genau?«

Es lag etwas Anzügliches in dieser Art des Fragens, aber Frau Lämke merkte nichts in ihrer Harmlosigkeit. »Frida is immer noch nich aus’s Jeschäft ßurück um die Zeit, aber in ’ne kleine halbe Stunde kann se woll hier sein. Se hat zwei Stunden Mittag; Abend kommt se erst jejen zehne, denn um neune machen se man erst ßu. Aber wenn se nach Tische mal bei die gnädige Frau vorkommen soll,« – Frau Lämke war zu neugierig: was wollte die bloß von Frida? – »recht jerne!«

»Sie kommt in einer halben Stunde, sagen Sie?«

»Jawoll! Es pressiert ihr immer sehr, daß se bei Muttern kommt – un denn der Hunger!«

»Wenn Sie gestatten, werde ich auf sie warten,« sagte Käte.

»Bitte, nehmen Sie jefälligst Platz!« Eilfertig wischte Frau Lämke mit ihrer Schürze über einen Stuhl: das war doch immerhin eine Ehre, daß Wolfgangs Mutter zu Frida hier in den Keller kam! Und mit einer Stimme, der man den herzlichen Anteil anmerkte, fragte sie: »Wie jeht’s denn dem jungen Herrn, wenn ich fragen darf, is er denn recht munter?«

Käte blieb die Antwort schuldig: das war denn doch eine zu große Frechheit, eine ganz unglaubliche Frechheit! Wie konnte die nur so unverfroren fragen?! Aber dann kam ihr auf einmal ein Zweifel: wußte die denn überhaupt etwas? Sie sah in die harmlosen Augen. Diese hier war wohl auch hintergangen, wie sie hintergangen worden war! Sie hatte nicht das Herz, ein aufklärendes Wort zu sprechen – arme Mutter! So nickte sie nur und sagte ausweichend: »Danke!«

Sie schwiegen, beide in einer gewissen Verlegenheit. Frau Lämke schälte Kartoffeln zum Mittag und setzte sie auf und warf ab und zu einen verstohlenen Blick auf die wartende Dame. Käte war blaß und gähnte verstohlen, ihrer Aufregung war eine ungeheure Abspannung gefolgt. Sie wartete ja vergeblich! Und diese Mutter hier würde heute auch vergeblich warten! Das Mädchen, diese heuchlerische Kreatur, kam ja nicht! Wie Wut packte es Käte, wenn sie an des Mädchens blondes Haar dachte. Das hatte ihren Jungen verführt, ihn umstrickt – nun kam er vielleicht nicht mehr los! ›Immer deine – deine Frida Lämke‹ – ein Schmollen war in dem Brief gewesen, wahrscheinlich hat er sich zurückziehen wollen, aber – ›wenn du nicht kommst, komme ich zu dir‹ – o, die würde sich wohl hüten, ihn loszulassen, die hielt fest!

Käte glaubte nicht mehr daran, daß Frida Lämke nach Hause kommen würde. Es ging schon auf zwei Uhr: die Mutter log, die steckte vielleicht doch mit unter der Decke!