Am Abend, als Wolfgang sich in sein Zimmer zurückgezogen hatte – was er da trieb, ob er noch aufsaß, las, schrieb oder sich schon niedergelegt hatte, wußte sie nicht – schrieb sie ihrem Mann.
Es war nicht die Länge und Ausführlichkeit des Briefes, die Schlieben so erfreuten – damals aus Franzensbad hatte sie ihm auch lange und ausführliche Briefe geschrieben – er las etwas zwischen den Zeilen. Das war ein unausgesprochener Wunsch, ein Verlangen, eine Sehnsucht nach ihm. Und er beschloß, nun doch noch nach dem Süden zu reisen: man hatte am Ende so lange Jahre miteinander gelebt, daß es wohl zu verstehen war, fühlte der eine Teil ohne den andern sich vereinsamt!
Mit tatkräftigem Eifer wickelte Schlieben seine laufenden Geschäfte ab. In acht Tagen spätestens hoffte er reisefertig zu sein. Aber nichts schreiben, ja nichts vorher schreiben, das sollte einmal eine Überraschung werden!
Die Mittagssonne in Sestri brannte heiß, aber die Zeit gegen Sonnenuntergang war noch, trotz aller leuchtenden Kraft, angenehm und erquickend. Da strömte jedes Kräutchen Wohlgeruch aus. So viel Balsam, so viel Köstlichkeit in dieser strömenden Duftfülle! Käte fühlte ihr Herz überfließen: Gott sei Dank, noch war sie nicht ganz zermürbt, noch nicht ganz verbraucht, noch besaß sie die Fähigkeit, Schönes zu empfinden! Wenn Paul jetzt hier wäre!
Ganz vorn, hoch oben am äußersten Vorsprung der Küste, umbrandet vom weißen Schaum des sehnsüchtigen Meeres, das gern hinauf möchte zu den Zypressen und Pinien, zu den Steineichen und Erdbeerbäumen, zu den vielen duftenden Rosen liegt der Garten eines reichen Marchese. Hier saßen Mutter und Sohn. Stumm sahen sie nach der Riesensonne, die rot, tief purpurn, dicht über dem Meere hing, das da strahlte in glanzvollem Widerschein, still-andächtig, erwartungsfeierlich in der heiligen Empfängnis des Lichts. Es war eine jener Stunden, jener wunderbaren seltenen Stunden, in denen auch das Stumme beredt wird, das Verschwiegene sich offenbart, in der die Steine schreien.
Käte schrak förmlich zusammen, als sie schaute und schaute: o, da war sie ja, dieselbe riesige rote Sonne, die sie einst hatte versinken sehen in den Wellen des wilden Venns!
Ach, daß ihr dieser Gedanke auch jetzt kommen mußte und sie quälen! Mit scheuer Besorgnis wendete sie rasch ihre Augen zu Wolfgang – wenn der’s ahnte?! Aber er saß ganz gleichgültig auf einem Stein, hatte die Beine übereinandergeschlagen, die Augen halb geschlossen. Von was träumte er?! Sie mußte ihn aufstören.
»Ist das nicht herrlich, großartig, erhaben?!«
»O ja!«