»Sie sinkt – sieh, wie sie sinkt!« Käte war aufgesprungen vom efeuumrankten Pinienstumpf, sie streckte den Finger aus, warm angestrahlt, ganz Begeisterung für dieses purpurne Meer, dieses glanzvolle Licht, das da in solcher Schönheit zu sterben ging. Die Augen wurden ihr naß; sie waren geblendet. Als sie wieder sah, fiel es ihr auf, daß Wolfgang sehr blaß war.

»Frierst du?« Eine plötzliche Kühle wehte vom Meer herauf.

»Nein! Aber ich –« er blickte sie, die dunklen Augen plötzlich groß aufmachend, fest an – »ich möchte was von meiner Mutter wissen. Jetzt kannst du reden – ich höre!«

»Von deiner – deiner –« sie stotterte, das kam ihr zu unerwartet. O weh, die Sonne, die Sonne des Venns! Jetzt hätte sie lieber geschwiegen, sie hatte auf einmal den früheren Mut nicht mehr.

Aber er drängte sie. »Erzähle!« Es lag etwas Gebieterisches in seinem Ton. »Wie heißt sie – wo wohnt sie – lebt sie noch?!«

Mit angstvollen Blicken sah Käte um sich. ›Lebt sie noch?‹ – darauf konnte sie nicht einmal antworten! Aber ja, ja, sicherlich – gewiß – die lebte ja ewig!

Und sie erzählte ihm alles. Erzählte ihm, wie sie ihn aus dem Venn fortgeschafft hatten, mit ihm geflohen waren wie mit einem Raub.

Sie wurde blaß und rot dabei und wieder blaß – o, wie würde er aufbrausen, sich leidenschaftlich erregen! Und ihr zürnen. Hatten sie sich doch nie mehr um seine Mutter gekümmert, seit sie das Venn verlassen hatten, nie mehr! Sie wußte ihm nichts weiter mehr zu erzählen.

Er fragte auch nicht mehr. Er brauste aber auch nicht auf, wie sie gefürchtet hatte; sie hätte es nicht nötig gehabt, sich, als er nun eine Weile stumm blieb, zu verteidigen, sich förmlich zu entschuldigen. Er sah sie freundlich an und sagte nur: »Du hast es gut gemeint, das glaube ich wohl!« –

Als sie vom Park die Treppenstufen zum Ort hinunterstiegen, bot er ihr den Arm. Scheinbar führte er sie, aber sie hatte doch die Empfindung, als sei er es, der der Stütze bedürfe; er ging schwankend. –