»Hähr, de Kerl, de ihn jeschossen hatt, de war janz drauß, de hielt ihn im Schoß un war am weinen. Hähr, ne,« – der Gemeindevorsteher schüttelte sich, und man merkte seiner Gebärde den Abscheu an – »ich möcht kein Cammis sein!«
Die Stimme des alten Mannes war tiefer und rauher geworden – es war das Zeichen seiner Anteilnahme – nun bekam sie wieder ihren früheren gleichmäßigen Klang: »Wenn et Euch paßt, Madame, wollen mir jetzt jehen!«
»O, das Kind, das arme Kind,« flüsterte Käte erschüttert.
»Glauben Sie denn, daß die Witwe sich von diesem Jüngsten trennen wird?« fragte Schlieben, von einer plötzlichen Befürchtung erfaßt. Dieses nach dem Tode des Vaters geborene Kind – war es möglich?!
»O –!« Der Alte wiegte den Kopf und schmunzelte. »Wenn Ihr wat Ordentliches dafür jebt! Sie hat ’er ja noch jenug!«
Jetzt war Nikolas Rocherath wieder ganz Bauer; das war nicht derselbe Mann mehr, der von der Sonne des Venns und dem Tode des Solheid gesprochen hatte. Nun galt es, so viel als möglich herauszuschlagen, einen Fremden, der noch dazu ein Städter war, ordentlich übers Ohr zu hauen!
»Hundert Taler wären nich übertrieben jefordert,« sagte er und blinzelte dabei von der Seite nach dem ernsten Gesicht des Herrn – mußte der ein Geld haben, der verzog ja nicht eine Miene!
Vom Viehhandel her war der alte Bauer seit Lebzeiten das Feilschen gewöhnt, nun blickte er, von scheuer Bewunderung für solch einen Reichtum erfüllt, auf den Fremden. Bereitwillig führte er nach der Hütte der Solheid. –
[5] Grenzjäger.
[6] Walddistrikte im hohen Venn.