[7] Purzelbaum.
[8] sterben.
4
Die Hütte der Solheid lag, wie alle Häuser des Dorfes, ganz für sich allein hinter einer giebelhohen Hecke. Aber die Hecke, die da schützen sollte gegen die Stürme des Venns und das wilde Schneetreiben, war nicht mehr dicht; man sah’s, hier fehlte die sorgende Männerhand. Die Hainbuchen waren regellos in die Höhe geschossen; abgestorbene Zweige, die der Vennwind peitschte, reckten sich wie klagende Finger in die Luft.
Hu, hier mußte es eisig kalt sein im Winter! Unwillkürlich zog Käte den weichen, seidengefütterten Tuchmantel fester um sich. Und doppelt dunkel mußte es hier sein in dunklen Tagen! Die winzigen Fensterchen waren durch die Schutzhecke lichtlos gemacht, und tief hing das Dach über den Eingang. Ohne Stufen, gleich von der ebenen Erde ging’s hinein.
Der Gemeindevorsteher rappelte am ›Jadder‹, der einstmals grün gestrichenen, jetzt farblos gewordenen Haustür mit dem eisernen Klopfer. Der Klopfer dröhnte durchs Haus, aber die Tür gab dem Druck nicht nach. Ei, die Solheid war wohl in den Beeren und die Kinder mit ihr! Man hörte drinnen im verschlossenen Hüttenraum nur das hungrige Schreien des Jüngsten.
Das arme Kind – o, sie hatte es wieder allein gelassen! Käte zitterte vor Erregung, wie Hilferuf erklang ihr das Geschrei.
Gelassen setzte sich der Gemeindevorsteher auf den Hauklotz vor der Tür und zog seine Pfeife aus der Tasche des faltigen blauen Leinenkittels, den er, der Herrschaft zu Ehren, rasch über das Arbeitswams gezogen hatte. Jetzt hieß es warten.
Enttäuscht sah sich das Ehepaar an – warten?! Käte hatte den Sitz ausgeschlagen, den ihr der Alte mit einer gerissen Galanterie auf dem Hauklotz angeboten; sie hatte keine Ruhe, rastlos schritt sie vor dem Fensterchen auf und ab und mühte sich vergebens, durch die blinde Scheibe hineinzuspähen.