Immer ungebärdiger schrie drinnen das Kind. Der alte Rocherath lachte: das war mal ein Brüllen, der Jean-Pierre hatte ’n kräftige Lung!
Käte konnte das Schreien nicht mehr mit anhören, es machte ihr körperliche und seelische Qual. Ach, wie es ihr in den Ohren gellte! Sie preßte die Hände dagegen. Und ihr Herz zitterte vor Mitleid und Empörung: wie konnte die Mutter so lange ausbleiben?!
Der Angstschweiß trat ihr auf die Stirn; mit brennenden, ungeduldigen Augen starrte sie hinaus aufs Venn, auf den nackten, baumlosen, sich endlos hinschlängelnden Pfad. Da sah sie endlich Gestalten – endlich! – und doch blieb ihr auf einmal der Atem stehen, ihr Herz setzte den Schlag aus, um dann plötzlich, wie toll, ungestüm drauf loszuhämmern: da kam die Mutter!
Lisa Solheid trug eine Reisigwelle auf dem Rücken, um die Schultern mit einem Strick festgeschnürt. Die Last war so schwer, daß sie das Weib ganz vornüber drückte und ihm den Kopf tief duckte. Drei Kinder – die kleinen Füße in plumpen Nagelschuhen – trappten vor der Mutter her, während ein viertes an ihrem Rock hing. Das hatte auch schon Preißelbeeren gesucht, seine Händchen waren rot gefärbt wie die Hände der größeren Geschwister, die Eimer, Maß und Kamm schleppten.
Hübsche Kinder, alle vier! Sie hatten dieselben dunklen Augen wie der kleine Jean-Pierre, mit denen starrten sie halb dreist, halb scheu die fremde Dame an, die ihnen zulächelte.
Die Solheid erkannte die Herrschaften nicht, die ihr gestern auf dem Venn eine Gabe gereicht hatten – oder tat sie nur so?
Der Strick, der die Welle zusammenhielt, hatte ihr tief in Schultern und Brust eingeschnitten, jetzt löste sie ihn und schleuderte mit kraftvollem Ruck die Bürde ab; und jetzt griff sie nach der Axt, die neben dem Hauklotz lag, und begann, als sei niemand zugegen, mit mächtigen Hieben ein paar starke Äste zu zerkleinern.
»Heela, Lisa,« sagte der Gemeindevorsteher, »wenn du jenug Holz jehauen hast, für die Jrumbieren zu kochen, paß ens op!«
Sie sah flüchtig von ihrer Arbeit zu ihm auf. Die Fremden waren beide – ohne Verabredung – ein wenig auf die Seite gegangen: mochte es der Gemeindevorsteher ihr erst einmal sagen! Es war doch nicht so einfach, wie sie sich’s gedacht hatten. Die war nicht leicht zugänglich!
Der Solheid verschlossenes Gesicht veränderte keinen Zug; stumm, mit zusammengepreßten Lippen verrichtete sie ihre Arbeit weiter. Das Holz barst unter ihren kraftvollen Hieben, die Stücke flogen um sie herum. Ob sie überhaupt auf das hörte, was der Mann zu ihr sprach?!