Sie sprachen mit gedämpfter Stimme und traten vorsichtig auf wie Diebe. Sie stahlen sich ins Kinderzimmer – da lag er so ruhig! Im Schlaf hatte er sich aufgedeckt, die Beinchen zeigten ihr nacktes rosiges Fleisch, und ein warmer, lebensvoller, unendlich frischer Duft stieg auf von dem reinen, gesunden Kinderkörper und mengte sich mit dem Kraftgeruch der Kiefern, den die Nacht durch die geöffnete Fensterspalte hereinsandte.

Käte konnte nicht an sich halten, sie bückte sich und küßte das kleine Knie, das Grübchen in seiner festen Rundung zeigte. Als sie wieder aufblickte, sah sie das Auge ihres Mannes mit nachdenklichem Ausdruck auf das schlafende Kind geheftet.

Sie war so gewohnt, alles zu wissen, was ihn bewegte, daß sie fragte: »Was denkst du, Paul? Bist du verstimmt?«

Er sah sie ein paar Augenblicke mit einer gewissen Zerstreutheit an und dann an ihr vorbei; er war so in Gedanken, daß er ihre Frage gar nicht gehört hatte. Nun murmelte er: »Ob es doch nicht besser wäre, offen zu sein?! Hm!« Er schüttelte den Kopf und strich sich nachdenklich den Bart am Kinn spitz zu.

»Was sagst du, was meinst du? – Paul!« Sie legte ihre Hand auf die seine.

Das weckte ihn aus seinen Gedanken. Er lächelte ihr zu und sagte dann: »Käte, wir müssen den Leuten reinen Wein einschenken! Warum denn auch nicht sagen, woher er stammt? Ja, ja, es ist viel besser, ich fürchte, wir werden sonst noch rechte Unannehmlichkeiten haben! Und wenn’s der Junge nun beizeiten erfährt, daß er eigentlich nicht unser Kind ist – ich meine, unser rechtmäßiges –, was schadet das denn?«

»Um Gottes willen!« Sie erhob die Hände wie in Entsetzen. »Nein – um keinen Preis – nein! Nie, nie!« Sie sank am Bettchen nieder, breitete beide Arme wie schützend über den Kinderkörper und schmiegte ihren Kopf an die kleine warme Brust. »Paul, dann ist er uns verloren!«

Zitternd holte sie schwer Atem. Es lag ein solches Grauen in ihrem Ton, eine so große Angst, ein wahrhaft prophetischer Ernst, daß es den Mann stutzig machte.

»Ich dachte nur – ich meine – ich fühle eigentlich längst die Verpflichtung,« sagte er stockend, wie sich wehrend gegen ihre Angst. »Es ist mir unangenehm, daß die – daß die Leute – nun, daß sie reden! Käte, sei nicht so merkwürdig, warum sollen wir’s denn nicht sagen?«

»Nicht sagen – warum nicht?! Paul, das weißt du doch selbst! Erfährt er’s – o, diese Mutter – o, dieses Venn!«