Sie sah sich um in seinem hübschen Zimmer; da waren so viele Spielsachen aufgestapelt: Eisenbahnen und Dampfschiffe, Bleisoldaten und Bilderbücher und die allerneuesten Spiele.
»Komm, wir wollen spielen,« sagte sie.
Da war er gleich dabei; sie erstaunte, wie rasch er seinen Kummer vergessen hatte. Gott sei Dank, er war doch noch ein ganz ahnungsloses, harmloses Kind! Aber mit welcher Unrast er die Spielsachen durcheinander warf! ›Das ist dumm‹ und ›das ist langweilig‹ – nichts fesselte ihn recht. Sie war bald ganz erschöpft von allem Vorschlagen und Anregen zu dem und jenem Spiel; sie glaubte nicht, daß sie je selber als Kind so schwer zu befriedigen gewesen war. Zehnmal schon hatte sie aufstehen wollen und fortgehen – nein, jetzt hielt sie’s wirklich nicht mehr aus, der Kopf war ihr ganz toll, ihre Nerven sträubten sich, es war wahrhaftig leichter, am Kochherd zu stehen oder Hausarbeit zu verrichten, als mit einem Kind zu spielen! – aber zehnmal hielt ihr Pflichtgefühl sie wieder fest und ihre Liebe.
Sie durfte ihn nicht allein lassen, denn – mit dumpfer Angst fühlte sie’s – denn dann kam jemand anders und nahm ihn ihr fort!
Blaß und abgemattet blieb sie bei ihm sitzen; er hatte sie sehr gequält. Zuletzt fand er, ganz vergessen im Winkel des Spielschranks, ein wolliges Schäfchen, ein nur mehr dreibeiniges, zerzaustes, altes Spielding aus seiner ersten Kinderzeit. Damit vergnügte er sich; das machte ihm mehr Spaß als die andern kostbaren Sachen. Wie ein ganz kleines Kind saß er auf dem Teppich, hielt das Schaf zwischen den Knieen und streichelte es.
Als er endlich im Bette lag, saß sie noch bei ihm und hielt ihm die Hand. Sie sang, wie sie ihn so oft eingesungen hatte:
»Schlaf, mein süßes Kind,
Draußen geht der Wind,
Höre, wie der Regen fällt
Und wie Nachbars Hündchen bellt!