Frau Lämke konnte sich jetzt nicht mehr des freundlichen Grußes der feinen Dame rühmen; diese ging jetzt am Hause vorüber und sah sie nicht mehr an, schien es nicht zu hören, daß sie respektvoll grüßte: ›juden Tag, jnäd’ge Frau!‹

»Du, wat habe ick denn eijentlich deine Mama jetan?« fragte sie eines Tages Wolfgang, als sie, vom Einholen zurückkehrend, ihn nach langer Zeit einmal wieder sah. Er lehnte am Gitter des schrägüberliegenden Grundstücks und starrte sehnsüchtigen Blickes nach ihrer Haustür.

Er fuhr zusammen; er hatte sie gar nicht kommen hören. Und dann tat er, als bemerke er sie nicht und schnippte mit der Gerte, die seine Hand hielt, in die Luft.

»Kommste denn jar nich mehr bei uns?« fragte sie weiter. »Haste dir mit Artur’n jehauen oder mit Frida’n jezankt? Nee, wat denn, det kann ja nich sind, die hat ja schonst so sehr uf dir jelauert! Die Jnädige läßt dir woll nich, was?! Nanu, wir sind woll nich mehr jut jenug? Nee freilich, wir sind nur Portjehs und unsre Kinder Portjehskinder!«

In ihrem gutmütigen Ton mischte sich die Gereiztheit der Kränkung, und der Knabe horchte auf. Er wurde glühend rot.

»Na ja, ick sehe schon, du därfst nich! Na meintwejen, denn nich!« Erbittert wendete sie sich zum Gehen.

»Na, was ’s denn noch?!« Er hatte sie durch einen Laut zurückgehalten; sie blieb stehen – wider Willen. Es war etwas in dem Blick der Knabenaugen, die sie jetzt voll ansahen, das sie festhielt. »Nee, nee, mein Sohn,« sagte sie gutmütig, »du kannst ja nich dafor, ick weeß ja!«

»Sie läßt mich nicht,« murrte er zwischen den Zähnen und hieb mit der Gerte durch die Luft, daß es sauste.

»Warum denn nich?« forschte die Frau. »Hat se nich jesagt, warum de nich mit Artur’n und Frida’n mehr spielen sollst? Artur hat jetzt ’nen neuen Triesel – ei weih, der tanzt! Un Frida von die Dame oben bei uns ’nen wunderscheenen Ball!«

Des Knaben Augen flammten. Er holte mit dem Fuß aus und stieß ein Steinchen, das vor ihm lag, so heftig von sich, daß es im Schwung hinüberflog bis zur andern Seite der Straße. »Und ich spiele doch mit ihnen!«