Von den Windlichtern auf dem Verandatisch brannte nur eins, leidlich hell, um nahebei zu leuchten. Aber Cilla tat nichts. Den Strumpf, den sie stopfen sollte, hatte sie im Schoß; ihre rechte Hand, in der sie die lange Stopfnadel hielt, ruhte lässig auf dem Tischrand. Sie hatte sich ein wenig hintenüber gelehnt; ihr Gesicht, in diesem Zwielicht feiner und schöner, war emporgehoben; sie schien nachzudenken, den Mund halbgeöffnet.
Von Wolfgang sah man nichts. Aber jetzt hörte die Mutter ihn sprechen im Ton des Bedauerns: »Weißt du nicht weiter?! O!« Und dann drängend: »Weiter, Cilla, weiter, es war ja so schön!«
Aha, nun sah sie auch ihn! Er saß dem Mädchen zu Füßen, auf einem ganz niedrigen Schemel, dicht an dessen Knie gedrückt. Und er wendete das Gesicht jetzt zu dem Mädchen auf – bittend, begehrend – sah es an mit Augen, die wie polierter dunkler Achat glänzten, und sprach in einem Tone, wie die Mutter noch nie von ihm gehört zu haben glaubte: »Singe, Cillchen! Liebes Cillchen singe!«
Die Magd stimmte an:
»›Bebe nicht, sprach sie mit leiser Stimme‹ –
Ach nee!
›Ich erscheine nicht vor dir im Grimme‹ –
Nee, auch nich!
›Warum glaubt’ ich Schwache deinen Schwüren,‹ –
Nee, ich weiß nich weiter. Nu sag einer! Un ich hab’s bei mir zu Hause doch so ofte gesungen. Bei uns im Dorfe, wenn wer abends gingen, mein Schatz un ich. I,« – sie stampfte ärgerlich auf – »daß mer so was auch vergessen tut!«