In den Beginn dieses zweiten Schwedischen Krieges, 1618, fällt auch der Tod Herzog Albrecht Friedrichs 1618 von Preußen und die Nachfolge des Kurfürsten Johann Sigismund im Herzogtum, die Siegmund unter anderen Umständen sicher nicht ruhig hätte hingehen lassen.
Der Dreißigjährige Krieg griff nicht nur mit der Werbung der Wallensteiner und mit dem Altmärker Waffenstillstand in Polens Schicksale hinein, sondern, da Siegmund natürlich die katholische, kaiserliche Partei hielt, fiel ihm auf Anstiften Bethlen Gábors und Frankreichs der Türke ins Land. 80 000 Türken und Tataren unter Skinder-Pascha brachen 1620 gegen Polen auf. Zółkiewski rückte ihnen 1620 mit geringen Streitkräften in die Moldau entgegen. In einem befestigten Lager zu Cecora am Pruth hielt er lange den Feinden stand. Schließlich mußten die Polen sich aber zurückziehen und wurden auf dem Rückzuge aufgerieben. Im nächsten Jahre schickte Osman ein aus 300 000 Mann 1621 geschätztes Heer aus, denen 65 000 Polen unter Karl Chodkiewicz, Stanisław Łubomirski und dem Sohn des Königs sowie 30 000 Kosaken unter ihrem Hetman Peter Konaszewicz gegenüberstanden. Bei Chotin (Chocim) am Dnjestr, in der Nähe von Kamjenjez Podolski verschanzten sie sich und wehrten einen Monat lang den türkischen Sturm ab. Schon waren sie der Übergabe nahe, als die Türken Frieden anboten. Der König verpflichtete sich, die Kosaken von Einfällen ins türkische Gebiet abzuhalten, während der Sultan umgekehrt bezüglich der Tataren das gleiche versprach. Peter Konaszewicz freilich — die Kosakeneinfälle hatten dem Sultan überhaupt den Vorwand zum Kriege gegeben — unternahm alsbald wieder einen Raubzug, um seine Unabhängigkeit zu beweisen. Die Gelegenheit, bei einem Thronwechsel seinen Kandidaten auf den Stuhl der krimschen Khane zu bringen, benutzte Siegmund nicht richtig, wie alle anderen Gelegenheiten.
Als er 1632 starb, hatte er noch nicht einmal die Nachfolge seines Sohnes durchgesetzt.
Trotzdem ging die Wahl Władysławs IV. (1632 bis 1632 bis 1648 1648) ohne Schwierigkeiten vor sich. Er war in Polen erzogen worden, hatte sich in manchen Feldzügen hervorgetan und war so beliebt, daß nicht einmal eine Gegenkandidatur aufgestellt wurde. Außerdem hatte der Zar Michael Feodorowitsch gemeinsam mit dem Pascha Abasi von Widdin schon während des Interregnums von neuem den Krieg gegen Polen begonnen (1632–1634), 1632 bis 1634 so daß die Wahl schnell erfolgen mußte. Die russischen Feldherrn Scheïn und Ismailow eroberten 23 Städte, darunter Dorogobush und Nowgorod Sjewerskij, und belagerten Smolensk acht Monate lang. Erst 1633 rückte der König 1633 zum Ersatz heran. Er konnte die geschwächten Russen abschneiden und zwang sie, gegen freien Abzug die Waffen zu strecken. Da er aber vor Bjelaja scheiterte, kam in Poljanowka ein Friede zustande, in dem Władysław auf seine Thronansprüche verzichtete, Michael aber den Waffenstillstand von Deulino anerkannte und 20 000 Rubel zahlte. Abasi-Paschas und der von ihm aufgehetzten Tataren wurde Koniecpolski in der Moldau und am Dnjestr Herr (1633).
Władysław verfolgte in allen Punkten eine der väterlichen entgegengesetzte Politik, nur die Ansprüche auf die schwedische Krone hielt er aufrecht. Doch blieben auch seine Bemühungen ohne Erfolg, da der Reichstag von seiner bekannten Stellungnahme nicht abwich und sogar gegen den Willen des Königs Bevollmächtigte ernannte, die 1635 mit Schweden einen neuen 1635 sechsundzwanzigjährigen Waffenstillstand zu Stuhmsdorf abschlossen, die preußischen Küstenstädte wiedergewannen, aber in Livland den Status quo anerkannten.
In seinen Pacta conventa hatte sich Władysław noch weitere Einschränkungen gefallen lassen müssen als seine Vorgänger. Er durfte keine Soldtruppen aus eigenen Mitteln halten (was jeder Edelmann durfte), keine Kriege auf eigene Faust führen, mußte auf die Steuer von zwei Groschen von der Hufe verzichten, zum Krieg gegen Moskau die Hälfte statt ein Viertel seiner Einkünfte hergeben, sich zum Bau einer Flotte auf der Ostsee (eine Folge der Schwedenkriege) und zur Achtung des Religionsfriedens verpflichten. Später mußte er sich durch verschiedene Konstitutionen noch weitere Beschränkungen gefallen lassen: nicht ins Ausland zu reisen ohne Genehmigung des Reichstages, Erhöhung der Zahl der „residierenden” Senatoren von sechzehn auf achtundzwanzig u. a. Auch eine Verschlechterung der Verfassung wurde 1635 eingeführt, daß nämlich die auf den Reichstagen beschlossenen Auflagen erst noch durch die Relationslandtage genehmigt werden mußten.
Zum Bau einer Flotte kam es nicht, da Danzig, das neben seiner Flotte keine andere dulden wollte, sich erfolgreich widersetzte. Dagegen wurde bereits auf dem Krönungsreichstag von 1633 ein Abkommen mit den Nichtunierten 1633 über die Bistümer getroffen, ohne daß freilich die Streitigkeiten hierdurch beigelegt wurden. Der König, der durchaus kein Freund der Jesuiten war und die Gründung einer jesuitischen Akademie in Krakau beim Papst rückgängig zu machen suchte, ließ sogar den Rücktritt von der Union zur Orthodoxie zu. 1646 veranstalte er in Thorn ein „Colloquium charitativum”, ein Religionsgespräch 1646 mit den Dissidenten, die er gern durch friedliche Verständigung wieder zur katholischen Kirche zurückgeführt hätte. Einen Erfolg hatte diese Veranstaltung natürlich nicht, und auch dem fanatischen Treiben der Jesuitenschüler vermochte der König keinen Einhalt zu tun.
Überhaupt schlugen alle seine Bestrebungen auf Stärkung der Zentralgewalt und auf Niederdrückung der Jesuiten, die hinter den Kulissen alles lenkten, fehl. Er mußte noch erleben, daß die durch diesen Orden begünstigte Politik der Magnaten in Kleinrußland zu dem großen Kosakenaufstand des Bohdan Chmielnicki führte, der für Polen wiederum ein Wendepunkt wurde. Auf dem Wege nach dem Kampfplatz verschied er, 52 Jahre alt, zu Merecz am Njemen. Das Ansehen und Vertrauen, das er bei den Kosaken genoß, fehlte dem Staate in den nun folgenden schweren Jahren sehr.
[15. Kapitel.]
Das Haus Wasa und das Kosakentum.
In schwerer Bedrängnis ging die neue Wahl vor sich, denn schon war Chmielnicki bis Lemberg und Zamość vorgedrungen. Als Thronbewerber kamen die beiden Brüder Władysławs in Frage, der Kardinal Johann Kasimir und Karl Ferdinand, Bischof von Breslau und Plock. Eine Gesandtschaft Chmielnickis trat für den ersten ein, und so 1648 bis 1668 wurde Johann II. Kasimir (1648–1668), der Jesuit und Kardinal, den der Papst erst von seinem Gelübde entbinden mußte, zum König gewählt. Er nahm Maria Louise von Nevers-Gonzaga, seines Bruders Witwe, zur Frau, wohl um ihr großes Vermögen zu sichern. Zunächst galt es, der Kosaken Herr zu werden.