Für die Person des neuen Königs war den Nachbarn maßgebend gewesen, daß er schwachen Charakters und nicht reich genug war, um ohne finanzielle Unterstützung von auswärts königlich leben zu können, daß durch seine Wahl die „Familie” noch enger an Rußland gefesselt und Preußen von der sächsischen Umklammerung befreit wurde. Die „Familie” ihrerseits, die sich anfangs mit dem Vorschlag, ihren Neffen zu wählen, nicht befreunden wollte, hatte sich für ihn entschlossen in derselben Hoffnung, ihn lenken zu können. Die selbständige Politik der „Familie” enttäuschte Rußland, und die Selbständigkeit des Königs, der sich eine eigene Partei bildete, enttäuschte bald genug beide. Doch ist anzuerkennen, daß sowohl der König, der die Lage und ihre Bedürfnisse sehr wohl erkannte, wie die „Familie” den guten Willen besaßen, ihr Land zu retten und durch Kräftigung wieder zur Selbständigkeit zu führen. Vor allem gingen sie nach Einsetzung der Verwaltungskommissionen darauf aus, das „Liberum veto” zu beschränken und womöglich ganz abzuschaffen. Auf dieser Grundlage hofften sie dann weitere Reformen bewerkstelligen zu können. Wenn sie dabei auf die Hilfe Rußlands rechneten, so hatten sie in der Tat eine starke Partei unter Panins Führung für sich, die Reformen auf dem Gebiet des Handels, der Polizei und der Justiz zulassen wollte, um an Polen einen leistungsfähigen Bundesgenossen zu gewinnen.
Katharina aber wollte vor der Lösung der Dissidentenfrage und Abschluß eines Bündnisses von Reformen nichts wissen. Insbesondere war sie gegen Abschaffung des „Liberum veto”, weil nur so den ihr ergebenen Andersgläubigen aus der geforderten Gleichstellung ein Einfluß auf den Reichstag erwachsen konnte. Ihr Gesandter Repnin proklamierte daher im Verein mit dem preußischen Gesandten Benoit während des Reichstages von 1766 die 1766 Unverletzbarkeit des „Liberum veto”, als der König die Einführung der Stimmenmehrheit zunächst in Finanzangelegenheiten vorschlug. Der Reichstag beschloß auch einstimmig, daß alle Staatssachen durch Stimmeneinhelligkeit entschieden werden sollten.
Da aber in der Frage der Dissidenten ein Beschluß nicht zu erreichen war, eine Angelegenheit, die Katharina im Gegensatz zu Friedrich ganz persönlich nahm, so bildete Repnin 1767 eine evangelische Konföderation zu Thorn, eine 1767 griechische zu Słuck und gleichzeitig aus der Opposition 24 katholische, deren Seele der Kronreferendarius Gabriel Podoski war. Zum Generalmarschall wurde in Radom der Schwachkopf und Säufer Karl Radziwill, genannt „Herrchen liebes” (Panie Kochanku), der Liebling des armen Adels, gewählt. Unter den Bajonetten der russischen Truppen erklärte sich die von Repnin schmählich hintergangene Radomer Konföderation mit allen Bischöfen bereit, zu tun, was die Russen verlangten, insbesondere auch die berechtigten Forderungen der Dissidenten zu gewähren und die Verfassung durch Rußland garantieren zu lassen. Da nach dem Herkommen mit der Bildung einer allgemeinen Konföderation die Wirksamkeit des Königs und der Regierung aufhörte und sie sogar zur Verantwortung gezogen werden konnten, so forderte Repnin, der den gefügiger gewordenen, wenn auch unzuverlässigen König nicht fallen lassen durfte, die Verbindung der Konföderation mit dem König, obwohl er vorher den Anhängern des sächsischen Hauses gegenüber mit der Entthronung Stanisław Augusts operiert hatte.
Der Konföderationsreichstag, dem der König tatsächlich beitrat, sollte limitiert sein, er sollte sich auf die Einsetzung einer Delegation mit Vollmacht zur Neuordnung des Staates beschränken. Da deren senatorische Mitglieder vom „umgefallenen” König, die Landbotenmitglieder vom von Repnin gelenkten Konföderationsmarschall zu bestimmen waren, so mußte die Delegation zweifellos den Dissidenten günstig zusammengesetzt werden. Rom war aber nicht müßig geblieben. In vielen Breven und in zündenden Reden des Nunzius war der Fanatismus aufgestachelt worden. Der hohe Klerus half in seiner Mehrzahl eifrig bei diesem Werke. Es bildete sich eine Opposition, der vor allem die Bischöfe Kajetan Sołtyk von Krakau und Joseph Załuski von Kijew, der Feldhetman Wacław Rzewuski und sein Sohn Severin vorstanden. Diese ließ Repnin kurzerhand aufheben und nach Kaluga bringen. Die Entrüstung über diese Verletzung des Völkerrechts und der Privilegien war ungeheuer. Aber das Mittel hatte Erfolg: die Delegation wurde eingesetzt. Sie schloß den geforderten Vertrag mit Rußland, in dem den Dissidenten und Nichtunierten volle Gleichstellung gewährt, die Czartoryskischen Kommissionen (vom Konvokationsreichstag her) bis auf die Finanzkommission aufgehoben, die freie Königswahl und das „Liberum veto” aufrechterhalten und die russische Verfassungsgarantie angenommen wurde. Der Reichstag mußte am 5. März 1768 in stummer 1768 Sitzung die Delegationsbeschlüsse bestätigen.
So hatte die Kurzsichtigkeit des Adels wieder einmal einen vernünftigen Anlauf zu Reformen verhindert und das Land, das schon tatsächlich unter russischer Herrschaft stand, auch rechtlich durch die Verfassungsgarantie den Russen ausgeliefert. Der König aber hat seitdem, an seinem Volke verzweifelnd, nicht mehr gegen Rußlands Willen zu handeln gewagt.
Noch war freilich der russische Sieg nicht entschieden, denn schon während des Konföderationsreichstages waren Gerüchte über die Bildung einer zweiten Konföderation in Warschau verlautbart. Tatsächlich war sie am 29. Februar 1768 in Bar, unfern Mohilew, unter Michael Krasinski als Marschall und Joseph Puławski als Generalregimentarius zusammengetreten. Ein Karmelitermönch rief zum Kampf für die Freiheit und den Glauben auf. Die Weltgeistlichkeit folgte ihm. Andersgläubige wurden nicht aufgenommen. Unter dem Namen „Ritter des heiligen Kreuzes” bildete sich eine Art Ritterorden. Neben den Fanatikern aber traten die politischen Gegner des Königs der Konföderation ebenfalls zahlreich bei. Außer der Alleinherrschaft der katholischen Kirche und der Erhaltung der alten Verfassung galt sie bald auch der Absetzung des Königs. Ganz Polen sei konföderiert, berichtete der preußische Gesandte. Man rechnete auf den Beistand der Bürgen des Olivaer und des Karlowitzer Friedens: Österreichs, Frankreichs und Hollands, ferner der Türkei und Sachsens.
Die Konföderierten, unter denen von Anfang an infolge der Zusammensetzung aus verschiedenen Parteien Uneinigkeit herrschte, waren mit ihren ersten Schritten unglücklich. Die Russen unter Apraxin und Kretschetnikow, denen Stanisław August seine Truppen zu Hilfe schickte, nachdem eine Mission Mokronowskis ergebnislos gewesen war, nahmen Bar und Berdiczew, die Hauptplätze der Konföderierten, und trieben diese in die Moldau. Gleichzeitig brach in der Ukraine eine gegen den religiösen Fanatismus der Konföderierten gerichtete orthodoxe Gegenbewegung aus, die Hajdamakenbewegung, indem die ukrainischen Bauern im Verein mit den Saporogern (letztere auf Befehl Katharinas) unter dem Saporoger-Sotnik Sheljesnjak und dem Sotnik der Potockischen Leibtruppen, Honta, über Adel und Städter herfielen. Sie richteten ein furchtbares Blutbad an. Allein bei der Einnahme von Human haben sie über 15 000 Menschen niedergemetzelt. Schließlich dämpfte der Kronregimentarius Stępkowski mit russischer Hilfe den Aufstand, nachdem das Ziel, die Konföderation im Südosten zu unterdrücken, erreicht war.
Dafür aber loderte der Aufstand in den anderen Landesteilen, in Großpolen, in Krakau, in Sieradz, in Litauen um so heller empor. Die Grausamkeiten, die in diesen Kleinkämpfen auf beiden Seiten verübt wurden, sind so unmenschlich und greulich, daß die Feder sich sträubt, sie zu beschreiben. Doch dauernde Erfolge erreichten die Konföderierten auch in den anderen Wojewodschaften nicht. Inzwischen hatten im September auch die Türken sich von Frankreich und den Konföderierten zur Kriegserklärung gegen Rußland hinreißen lassen, wobei sie das besorgniserregende Vorgehen Rußlands in Polen als einen Hauptgrund angaben. Eine ganze Reihe Konföderierter, namentlich die Gebrüder Puławski, focht im türkischen Heere. Frankreich beschränkte sich vorläufig auf eine platonische Unterstützung durch Aufreizung der Türken und wohlwollende Neutralität. Österreich gestattete in Schlesien und Ungarn Zusammenkünfte der 34 Marschälle der einzelnen Konföderationen und Errichtung der Zentralregierung der Konföderierten. Maria Theresias Neigung, Polen zu Hilfe zu kommen, wußte Joseph II. zu vereiteln, zumal Friedrich der Große erklärt hatte, daß er hierin einen Kriegsfall sehen würde. Die Zusammenkunft, die Friedrich und Joseph 1769 1769 in Neisse hatten, führte zu einer weiteren Annäherung. Noch im selben Jahre besetzte der eifrige junge Joseph, um alte Ansprüche zu wahren, die früher zu Ungarn gehörige Zips mit Saatz und Neumarkt. Damit war der erste wirkliche Schritt zur Zerstückelung Polens getan, nicht von den beiden Verbündeten ausgehend, sondern von der Macht, die bisher eine Teilnahme an jenen Übereinkünften entschieden abgelehnt hatte.
Schon mehrmals hatte Friedrich, der Katharinas Absichten sehr wohl durchschaute, in Petersburg den Gedanken einer Teilung angeregt, erst ganz unverbindlich, dann offen, denn nur durch eine Teilung konnte verhindert werden, daß Polen scheinbar selbständig weiter bestand, tatsächlich aber gänzlich zu einem Trabanten Rußlands wurde. Nun benutzte er das österreichische Vorgehen, um seine Pläne energischer zu betreiben. In Mährisch-Neustadt kam er 1770 wiederum 1770 mit Joseph zusammen, den die schnellen Siege der Russen im Türkenkriege mit Besorgnis erfüllten und der vor allem den Verzicht Rußlands auf die Moldau verlangte, wenn er nicht zum Kriege genötigt sein sollte. Im Zusammenhang damit machte Friedrich in Petersburg klar, daß die russischen Erwerbungen im türkisch-tatarischen Süden für Preußen und Österreich durch polnisches Gebiet kompensiert werden müßten.
Von Frankreich, das 1770 den Konföderierten wenigstens Geldmittel und zur Leitung eines regelrechten Krieges den General Dumouriez gesandt hatte, war nach dem Sturz Choiseuls (gegen Ende dieses Jahres) nichts mehr zu befürchten, denn sein Nachfolger, der Herzog von Aiguillon, hielt sich in der polnischen Frage weit mehr zurück. Die Konföderierten hatten sich nämlich durch ihre unkluge Politik die Sympathien auch der unbeteiligten Monarchen verscherzt, indem sie durch die Interregnumsakte vom 9. August 1770 Stanisław August absetzten und ihn außerdem als Eindringling, Usurpator und Tyrannen brandmarkten. Namentlich Frankreich, das ausdrücklich entgegengesetzt lautende Instruktionen gesandt hatte, war verletzt. Dieser törichte Schritt trieb den König, der sich von Rußland loszumachen versucht hatte, wieder zu Rußland zurück, und alle militärischen Anstrengungen der Konföderierten wurden gegenüber der europäischen Stimmung bedeutungslos. Im Gegenteil, die verzweifelten Kämpfe des Jahres 1771 (Kasimir Puławski verteidigte 1771 erfolgreich Czenstochau gegen Drewitsch, Dumouriez wurde bei Łanekorona in der nähe von Krakau durch Suworow und Drewitsch besiegt, Zaremba schlug den Kronfeldherrn Branicki bei Widawa in der Nähe von Sieradz), der unerwartete Beitritt des litauischen Großhetmans Michael Ogiński zur Konföderation (er wurde von Suworow bei Stolowicz in Schwarzrußland geschlagen) und ein Anschlag der Konföderierten gegen die Person Stanisław Augusts besiegten die letzten Bedenken gegen die Teilung.