Die von Preußen 1772 übernommenen Gebiete bildeten die Provinz Westpreußen mit dem Departement Netzedistrikt. 1793 und 1795 wurde die Provinz Südpreußen (Großpolen, kujawische und masowische Landesteile bis zur Weichsel), Neuostpreußen (das Land nördlich der Weichsel) und Neuschlesien hinzuerworben. Südpreußen zerfiel in die Kammerdepartements Posen, Kalisch und Warschau.
Überall wurde die Verwaltungs- und Gerichtsorganisation „auf preußischen Fuß gesetzt”, in des großen Königs Erwerbungen auch die Kirchen- und Starostengüter, d. h. sie wurden gegen entsprechende Entschädigung eingezogen und in Domänen verwandelt. In bezug auf das materielle Recht hat Friedrich der Große gleich nach der Huldigung mit dem die Gerichtsorganisation betreffenden Notifikationspatent diejenigen preußischen Gesetze bezeichnet, die fortan gelten sollten, vor allem das „verbesserte Landrecht des Königreichs Preußen” (d. h. Ostpreußens) von 1721. Die 1799 erworbenen Landesteile aber mußten ein Jahr auf diese Regelung warten. Erst vom 1. Januar 1794 trat 1794 das „Allgemeine Landrecht” zunächst natürlich als subsidiäres Recht für Südpreußen in Kraft und wurde 1795 auch auf den Rest ausgedehnt. Die Gerichts- und Verwaltungssprache war deutsch, doch wurden den Veröffentlichungen polnische Übersetzungen beigefügt und darauf gesehen, daß die Beamten möglichst auch des Polnischen mächtig waren.
In Landwirtschaft und Forstwesen, in Schule und Kirche, in Bauernrecht und Stadtverwaltung, in Wegewesen und Flußwirtschaft wurde gründlich Ordnung geschaffen und für strenge Gerechtigkeit gesorgt. In der Schonung der Privilegien des Adels ging man anfangs in Südpreußen so weit, als es irgend mit den preußischen Grundsätzen vereinbar war. Namentlich wurden dort die Kirchengüter nach schlesischem Fuße behandelt, d. h. die Geistlichkeit blieb im Besitz der Güter und brauchte nur 50 % des Ertrages an die Staatskasse abzuführen. Man ging in der Rücksichtnahme so weit, daß man bei der Neubesetzung des Gnesener Erzsitzes sogar einen Grafen von Hohenzollern gegenüber einem Polen zurückstehen ließ. In der Gerichtsbarkeit freilich wurde auch der Adel und die Kirche den übrigen Einwohnern gleichgestellt. Erst nach der Beteiligung an dem Aufstand von 1795 wurde strenger verfahren, namentlich die Einziehung von Starosteien und Kirchengütern und ihre Umwandlung in Domänen betrieben.
Die Verhältnisse, die Friedrich der Große teils in Westpreußen, besonders aber im Netzedistrikt, und der Nachfolger in den später erworbenen Provinzen vorfand, waren trostlos. Bromberg, die wichtigste Stadt, zählte nur noch 800 Einwohner. Weit schlimmer sah es in den übrigen Städten aus, vom platten Lande gar nicht zu reden. Der König, der das Land selbst bereiste, sorgte für die Urbarmachung und Besiedelung des Netzebruches, schuf durch den Bromberger Kanal und die Netzeregulierung eine Wasserstraße zwischen Oder und Weichsel, die schon nach zwei Jahren befahrbar war. Er sorgte in der ihm eigenen großzügigen Weise für Handel und Gewerbe und brachte dadurch z. B. Bromberg in zehn Jahren auf 2562 Einwohner außer der Garnison.
Waren bereits die Westpreußen und Kujawier nicht ungern unter preußische Herrschaft gekommen, so brachten es die glänzenden Erfolge, die diese Herrschaft unter dem großen König dort erzielte, die Ruhe, Gerechtigkeit und Sicherheit, die dort eingezogen, dahin, daß 1793 nicht nur die Städter, sondern auch ein beträchtlicher Teil des Adels die Einverleibung in den preußischen Staat freudig begrüßte. Denn in Großpolen sah es ja noch trüber aus als im Netzedistrikt. Das platte Land glich nach des Ministers von Voß Berichten einer Wüstenei. Von den Städten waren namentlich die adligen Mediatstädte kaum Dörfer zu nennen. Mielżyn hatte 37 Feuerstellen, Mietschisko 40, Jaratschewo, das ursprünglich 72 zählte, nur noch 31. In Grabow gab es kein einziges massives Haus unter 106, in Pleschen unter 226. Eine Menge von Baustellen lag verwüstet da. „Unter 245 hiesigen Städten verdienen kaum zehn diesen Namen”, berichtete Voß. Außer der blühenden Tuchmacherei der deutschen Städte gab es keine Industrie im Lande. Die Straßen, soweit es überhaupt welche gab, waren fast nicht passierbar. Je weiter nach Osten, desto trostloser war der wirtschaftliche Zustand. Es erübrigt sich, auf die Lage der bei der dritten Teilung erworbenen Gebiete näher einzugehen, da sie ja nicht lange bei der Krone Preußen verblieben. Nur so viel sei hervorgehoben, daß Warschau überraschend schnell einen preußischen Zuschnitt erhielt.
Wenngleich Friedrich Wilhelm II. seinem Oheim nicht zu vergleichen war, so war der Unterschied zwischen den polnischen und den preußischen Zuständen doch auch unter seiner Verwaltung fühlbar genug. Waren bis 1793 im Netzedistrikt, meist noch von Friedrich, 6995 Hufen Landes, mit 6030 Feuerstellen und 43 711 Seelen, besiedelt worden, so werden die Ansetzungen in Südpreußen bis zum Jahre 1806 immerhin noch auf 51 439 Morgen Landes mit etwa 1100 Familien und 5500 Personen veranschlagt. Bei der Beurteilung der südpreußischen Erfolge darf man übrigens nicht außer acht lassen, daß das bereits bei der Besitzergreifung vorhandene, der Zahl nach sehr starke Deutschtum ebenfalls gefördert und gesichert wurde, eine Tatsache, die an Wichtigkeit den Neusiedelungen nicht nachsteht. Die Erfolge in der Herstellung einer vernünftigen staatlichen Ordnung im ersten Jahrzehnt des preußischen Besitzes sind nicht zu unterschätzen, trotz der Schwierigkeiten der allgemeinen Lage, trotz der Beunruhigung, die bis 1795 der Kościuszkosche Aufstand und dann das Legionärwesen brachte. Sie bildeten eine Grundlage, auf der 1815 weitergebaut werden konnte.
Die polnischen Patrioten hatten den Verlust der Unabhängigkeit nicht sämtlich gleichmütig hingenommen, sondern suchten Hilfe bei den Feinden der Teilungsmächte. Ein Teil begab sich nach der Türkei und der Walachei, wo sie bewaffnete Scharen organisierten, die Mehrzahl aber nach Frankreich, das ja die Menschenrechte auf seine Fahne geschrieben hatte. Unter Frankreichs Schutz hoffte man ein Heer bilden zu können, das die Selbständigkeit wiedergewann. Diesem Gedankengang auf polnischer Seite kamen die Bedürfnisse des Directoire, kamen vor allem auch die Pläne Bonapartes entgegen. Frankreich, das schon ungeheure Blutsteuer gezahlt hatte, mußte jede Verstärkung seiner Heere freudig begrüßen. So entstanden 1797 in der Lombardei 1797 und für sie die polnischen Legionen unter dem General Heinrich Dąbrowski, die bald auf 6000 Mann anwuchsen. Damals wurde auch das Lied der Legionen, das bekannte „Noch ist Polen nicht verloren” (Jeszcze Polska nie zginęła) gedichtet. Dąbrowski hoffte, von Bonaparte die Erlaubnis und die Möglichkeit zu erhalten, durch Österreich und Siebenbürgen nach Galizien zu marschieren. Aber der Korse dachte gar nicht daran; er brauchte die Polen in Italien. 2000 Mann, die von der Walachei aus in Galizien eingefallen waren, wurden von den Österreichern zurückgeschlagen.
Die Legionen, die sich in Italien bei vielen Gelegenheiten auszeichneten, nahm Napoleon nach seiner Rückkehr aus Ägypten in französische Dienste. Er stellte noch eine weitere Legion unter Kniaziewicz auf und erhöhte die Gesamtstärke auf 15 000 Mann. Aber er führte sie nicht nach Galizien, sondern nach San Domingo, wo der größte Teil dem Klima erlag (1803). Kniaziewicz hatte 1803 schon vorher seinen Abschied genommen, Dąbrowski eine andere Stellung erhalten. Im Kriege gegen Preußen und zum Schutze des Königreichs Westfalen, vor allem aber im Spanischen Kriege hat sich Napoleon wiederum polnischer Legionen bedient, die ihm blindlings Ergebenen als Kanonenfutter benutzend. Saragossa und Samo-Sierra (1808) sind die Ruhmestage dieser Legionen, 1808 die nicht zögerten, um den Preis der Befreiung ihres Vaterlandes andere Nationen der Knechtschaft des Korsen zu unterwerfen.
Aber noch von einer anderen Seite eröffnete sich Aussicht auf eine Wiederherstellung Polens, nicht minder eigennützig genährt als seitens Napoleons. 1801 war Alexander I. 1801 Zar geworden. Ihn verband enge Freundschaft mit dem Fürsten Adam Czartoryski, den er zum Minister der auswärtigen Angelegenheiten und zum Kurator der Schulen in den ehemals polnischen Landen ernannte. Seinem Charakter und seiner Geistesrichtung entsprach es durchaus, daß er dem Fürsten Hoffnung auf die Wiederherstellung Polens in der Form einer Personalunion mit Rußland machte. Der Fürst schmiedete eifrig Pläne, die aber Alexander, anderen Sinnes geworden, vereitelte, indem er mit Preußen das Bündnis von 1805 schloß. Doch hat er den Gedanken 1805 wieder aufgenommen, sooft es ihm in seine Politik paßte.
Aber gerade dieses preußisch-russische Bündnis brachte wenigstens einem Teil der polnischen Wünsche die Erfüllung, denn Napoleon brauchte eine Operationsbasis gegen Rußland. Nach dem Zusammenbruch von Jena und Auerstädt besetzte er daher Südpreußen, richtete dort eine polnische Verwaltung unter dem Vorsitz des Marschalls des vierjährigen Reichstags, Małachowski, ein und forderte vor allem Soldaten und Kriegsmaterial. Natürlich fielen Adel und Geistlichkeit ihm sofort zu, außer im Netzedistrikt. Die preußischen Beamten wurden mißhandelt und aus dem Lande gejagt; die Bürgermeister von Obersitzko und Gollantsch büßten ihre Treue mit dem Tode. Der Bauer und der Bürger freilich sahen der wiederkehrenden Adelsherrschaft mit Bangen entgegen.
Im Tilsiter Frieden mußte Preußen alle Erwerbungen aus den Teilungen, mit Ausnahme Westpreußens, an Napoleon 1807 abtreten. Danzig wurde eine Republik, das Białystoker Gebiet russischer Besitz. Aus den übrigen Landschaften, einschließlich Thorns, wurde das Großherzogtum Warschau (den Namen Polen vermied Napoleon auf Alexanders Wunsch stets sehr sorgfältig) mit Warschau als Hauptstadt gebildet und dem neugebackenen König von Sachsen zu Erb und eigen übergeben.