Schon im Jahre 1817 forderten die Wortführer in Unterredungen 1817 und Denkschriften eine nationale Armee mit ausschließlich polnischen Offizieren, ein reinpolnisches Beamtentum, einen nationalen Provinziallandtag mit weitgehenden Rechten. Die alten Legionäre Dąbrowski und Kniaziewicz regten die Gründung einer geheimen politischen Verbindung an, die der Major Lukasinski 1819 durch Schaffung einer „nationalen Freimauerei” für das ganze ehemalige Königreich (die sogenannte „Patriotische Gesellschaft” zu Warschau) auch ausführte. Gleichzeitig bildeten sich andere Geheimbünde, die Templer, die Freien Brüder, die Polnische Burschenschaft an der Jagiellonischen Universität. Speziell im Posenschen suchte man auch die Bauern zu bewaffneter Erhebung zu gewinnen durch den Geheimbund der Sensenmänner (Kosynieri). Da erst griff die Regierung ein, Mitte der 20er Jahre. Aber eine Ausrottung der Geheimbünde ließ sich mit polizeilichen Mitteln natürlich nicht erreichen. 1823 1823 erhielt Posen seinen Provinziallandtag, der von vornherein die Forderungen der Wortführer von 1817 vertrat.

Der Gebrauch der polnischen Sprache war anfangs so weitgehend gestattet worden, daß z. B. vor Gericht in den polnischen Kreisen der Provinz polnisch verhandelt werden mußte. Erst 1817 ließ die Regierung sich herbei, der Staatssprache Gleichberechtigung 1817 zu gewähren. Ähnlich stand es um die Schulen.

Großes ist in der Zeit bis zu den Aufständen für die Bauern getan worden. Durch Kabinettsorder von 1819 1819 wurden die Bestimmungen des Großherzogtums Warschau vom Jahre 1807 über die Freiheit der Bauern außer Kraft gesetzt und der Bauernschutz des Allgemeinen Landrechts eingeführt. Am 8. April 1823 folgte die Regulierung, und 1823 zwar in viel einschneidenderer Weise als in den alten preußischen Provinzen. Sie hatte zur Folge, daß der Bauer durchaus nicht zur Beteiligung an den Aufständen zu bewegen war, trotzdem Adel und Geistlichkeit ihr möglichstes versuchten. Dem Großgrundbesitz wurde 1821 durch Gründung 1821 der Landschaft nach schlesischem Vorbilde geholfen. Die Bevölkerungszunahme auf dem Lande ging infolgedessen sehr schnell vor sich.

Weniger günstig war anfangs die Entwicklung der Städte, obwohl auch sie zunahmen. In den ersten Jahren zwar, als der vom Wiener Kongreß beschlossene freiere Handelsverkehr mit Russisch-Polen noch bestand, hatte die Provinz als Grenzland der höheren Kultur einen regen Absatz gewerblicher Erzeugnisse nach dem niedriger stehenden Osten. Als aber im Königreich Polen 1823 das Prohibitiv-System 1823 des russischen Finanzministers Grafen Cancrin siegte, trat ein Rückschlag ein. Namentlich die blühende deutsche Tuchmacherei in der Provinz ging nieder; aber auch andere Gewerbe spürten den Schlag. Ein Teil der deutschen Handwerker, ungefähr 10 000 Familien wanderten nach Polen aus, wo mit Begünstigung der russischen Regierung die deutschen Industriezentren, namentlich Łodź, entstanden. 1816 gab es im Regierungsbezirk Posen 1586 Tuchmacher, 1866 nur noch 27, heute 6.

Rußland, das zu den ruthenisch-russisch-litauischen Landen auf dem Wiener Kongreß auch noch die Hauptmasse des eigentlichen Polen bekommen hatte, war dadurch in eine ganz andere innere Lage gekommen. Denn diese an anarchistische Freiheit gewöhnte Bevölkerung ließ sich nur schwer dem absolutistischen Reiche einfügen. Die Konstitution von 1815 hatte dem „Königreich”, zu dem nur Gebiete 1815 des Großherzogtums Warschau geschlagen wurden, eine große Selbständigkeit belassen, namentlich eine konstitutionelle Regierungsform, die in Rußland auf der einen Seite Neid, auf der anderen Unwillen und Feindschaft erregte. Zum Statthalter war nicht der von den Polen gewünschte Fürst Czartoryski, sondern der General Zajączek ernannt worden, der, wie nicht anders möglich, unter dem Einfluß des Großfürsten Konstantin, des Bruders des Kaisers und Befehlshabers des polnischen Heeres, stand. Ein kaiserlicher Kommissar, Nowosilzow, überwachte Regierung und Reichstag.

Der Großfürst fand bei den Polen wenig Gegenliebe. Und da der polnische Adel entsprechend auftrat, so gewann die altrussische Partei bald auch das Ohr Alexanders, der ja überhaupt nach den Napoleonischen Kriegen gänzlich in den Gedankengängen der heiligen Allianz lebte. Die Szlachta forderte immer mehr, der Kaiser war immer weniger geneigt, etwas zu gewähren. Während Städte und Bauern sich der Wiederkehr geordneter Zustände und ruhiger Zeiten freuten, wuchs die Unzufriedenheit des Adels. Sie machte sich in der Opposition des Reichstages, in der Presse, in den geheimen Gesellschaften Luft. 1825 sah sich Alexander genötigt, die Preßfreiheit zu beschränken, 1825 die zweijährige Periodizität und die Öffentlichkeit der Reichstagsverhandlungen aufzuheben und dem Reichstag zu bedeuten, daß er bei Fortdauer einer derartigen Opposition überhaupt außer Tätigkeit gesetzt werde. Schon vorher war die „Patriotische Gesellschaft” mit den russischen Verschwörern, dem „Bund des Nordens” und dem „Bund des Südens”, in Verbindung getreten, hatte an Verhandlungen in Kijew teilgenommen, aber schließlich doch gezögert, sich dem Dekabristenaufstand anzuschließen. Ihre Führer wurden nach dem Fehlschlagen dieses Aufstandes verraten und vom Reichstag zwar abgeurteilt, aber, da die Strafen zu milde ausfielen, von der russischen Regierung nach Rußland überführt.

Diese der Konstitution zuwiderlaufende Handlungsweise des neuen Kaisers Nikolaus I. trug dazu bei, die Unruhe zu vermehren, zumal er auch die Statthalterschaft seit 1826 nicht mehr besetzt, sondern dem Großfürsten Konstantin als Militärgouverneur unbeschränkte Gewalt gegeben hatte. Doch war all das nur mitwirkend für den Aufstand. Die eigentliche Ursache ist darin zu suchen, daß die staatliche Selbständigkeit nicht in dem Maße zu erreichen war, wie man gehofft hatte. In der vom Großfürsten zu Warschau gegründeten Kadettenschule bildete sich unter dem Instrukteur, Leutnant Wysocki, eine neue Verschwörung „zur Verteidigung der vergewaltigten Konstitution” (1828), die auch Studenten und andere junge Leute heranzog. 1828 Ursprünglich wollte man bei der Krönung des Zaren zum König von Polen im Jahre 1829 losschlagen und den Zaren ermorden, verschob aber den Plan, da die Umstände sich nicht als günstig erwiesen.

Die Julirevolution brachte in der Nacht des 29. November 1830 1830 den Aufstand, seither Novemberaufstand bezeichnet, zum Ausbruch, indem die Verschworenen das Schloß Belvedere, die Residenz des Großfürsten, überfielen. Ein Teil der Truppen ging zu den Aufständischen über, mit dem anderen verließ der Großfürst die Hauptstadt. Bis zum 13. Dezember war das ganze Königreich von den geringen Streitkräften der Russen geräumt.

An die Verwaltung hatten die jugendlichen Verschwörer natürlich nicht gedacht. Daher nahmen Adam Czartoryski und der Finanzminister Lubecki die Regierung in die Hand, indem sie den bestehenden Administrationsrat unter dem Titel einer provisorischen Regierung mit ihnen genehmen Leuten besetzten.

Zum Befehlshaber der polnischen Truppen wurde der General Chłopicki ernannt. Die gemäßigten Leute an der Spitze wollten einen Ausgleich mit Rußland, die Demokraten aber offenen Bruch. Da Chłopicki, der sich im Dezember zum Diktator erklärt hatte, zu den Gemäßigten gehörte, die beim Reichstag kein Verständnis fanden, gab er den Oberbefehl wieder ab, den Michael Radziwill übernahm. Doch blieb Chłopicki die Seele der polnischen Operationen. Am 25. Januar 1831 sprach der 1831 Reichstag die Absetzung der Romanows aus. Namentlich dieser Schritt schadete den Polen bei den ausländischen Monarchen, bei denen sie Unterstützung suchten, ungemein. Die Sympathien der Völker, die sämtlich in Polenschwärmerei gerieten, waren ihnen zu nichts nutze. Der Reichstag ordnete auch die Regierung endgültig, indem er eine „National-Regierung” mit Adam Czartoryski an der Spitze einsetzte.

Inzwischen aber hatte Rußland genügend Truppen gesammelt und Feldmarschall Diebitsch rückte mit 120 000 Mann in Polen ein, die Aufständischen vor sich hertreibend. Am 24. und 25. Februar kam es bei Białołęka und Grochow zu einer mörderlichen Schlacht, in der die Polen über die Weichsel zurückgeworfen wurden. Chłopicki und Radziwill entsagten weiteren Kämpfen und den Oberbefehl übernahm Skrzynecki. Einige Erfolge, die die Polen davontrugen, hatten Aufstände auch in Litauen und Kleinrußland zur Folge. Die zur Unterstützung Wolyniens abgesandten Truppen wurden jedoch geschlagen und mußten über die galizische Grenze treten. Der kleinrussische Aufstand erlosch wieder. Erst am 26. Mai folgte ein neuer großer Schlag, die Schlacht bei Ostrołęka, die zwar keinen entscheidenden russischen Sieg, aber doch den Rückzug der Polen nach Warschau brachte. Im Juli wurden auch die nach Litauen entsandten Truppen unter Giełgud besiegt. Sie mußten über die ostpreußische Grenze treten, wo ihre Entwaffnung erfolgte.