Weinen um den Schein des Lebens,
Weinen um den Duft des Kranzes,
Weinen, daß die Seele heller
Scheine, als des Opfers Flamme!"

Und nun wendet sich Biondette
Trauernd zu dem Felsenpfade,
Der bald sichtbar, bald verstecket
Aufsteigt an des Berges Rande.

Wo der Steg zu Tal sich wendet,
Stand sie grüßend mit der Harfe,
Ferne Sehnsuchtsklänge sendend
Zu verlaßnen Frühlingstalen.

Rings die Hirtenflöten flehen,
Und der Herden Glocken stammeln,
Und die Abendlieder schweben
Klagend aus der Büsche Schatten.

Sie geleitend steigt am Felsen
Sonnenschein zum Untergange,
In der Tritte Spuren senket
Dämmerung den ernsten Mantel.

Aber schaut! Nun steht Biondette
Hoch am dunklen Tor des Waldes,
Niederkniet sie und singt betend
In die Welt, die sie verlassen:

"Lebet wohl, ihr falschen Farben,
Eitler Tränen Regenbogen,
Sterne, die mit falschem Glanze
Dienet einem Flittermonde!

Meine Tränen sollen wachsen,
Daß sie mit den bittren Wogen
Ganz mein Irdsches überwallen,
Bis die Schuld ist hingenommen.

Aus dem Argen in die Arche
Geh ich gleich der Tochter Noä,
Kleide mich in schwarzer Farbe,
Wie der Rabe ausgeflogen.

Kleide schwarz mich gleich dem Raben,
Der als Bote ausgeflogen
Und so traurig auf den Wassern
Schwebte, bis sie abgeronnen.