Und sie schieden; sie zum Tempel,
Er zu dem Juristenhofe;
Sie erfleht ihm Gottes Segen,
Er den Doktorhut erobert.

Als er austritt hochgeehret
Unter der Schalmeien Chore,
Wird bei Pauken und Trompeten
Ihm drei "Vivat hoch!" erhoben.

Doch er blicket allerwegen
Nach der Jungfrau dieses Morgens,
Ihm will auch der Wein nicht schmecken
Bei dem Doktorschmause oben.

Ach, wenn sie den Trank kredenzte,
Säh er in des Bechers Golde
Spiegelnd ihre Augen brennen;
Ach, wie er dann trinken wollte!

Ach, und wo ihr Mund den Becher
Selbst entsauget einen Tropfen,
Durstig hätte er die Stelle
Ausgebissen aus dem Golde.

Und in dem Tumult des Festes
Schleicht er aus dem lauten Chore,
Irret auf verschiednen Wegen,
Denn er wußt nicht, wo sie wohnet.

Wo vor Stunden sie sich trennten,
Geht er, ihren Weg verfolgend,
In den Garten, nah gelegen,
Von Sankt Clarens stillem Kloster.

Längs den still beblumten Feldern
Wiegen sich die vollen Rosen,
Von den Tönen tief beweget
Einer süß gerührten Orgel.

Und im stillen Garten stehet
Tief erschüttert Jacopone;
Lang hat ihn nicht angewehet
Der unschuldge Odem Gottes.

Lange hat er nicht gesehen
In das offne Herz der Rosen,
Und so frommer Töne Wehen
War entfremdet seinen Ohren.