Was du unterm Herzen trägest,
Ist ein Pfand von dem Verlobten;
Wolle nie des Leibes Tempel
Einer andern Liebe opfern!"
Rosarosa dann entgegnet
Sammelnd liebestrunkne Worte:
"Ja, ich bin die Magd des Herren,
Dem ich liebend bleib verlobet!
Was ich trage unterm Herzen,
Bleibt dir treulich aufgehoben,
Durch dich mag es heimlich leben,
Durch mich werde es geboren.
Nimmer habe ichs gesehen,
Nimmer werde ichs sehen wollen,
Unbekannt ie meine Seele,
Die durch Gott den Leib bewohnet.
Stünd geschrieben mir am Herzen
Gar die Stunde meines Todes,
Nimmer würde sie gelesen,
Und ich stürbe unverhoffet.
Keusch bleibt meines Leibes Tempel
Dem Geliebten nur geopfert,
Meine Blicke haben selber
Nimmer Teil an mir genommen.
Wenn der Himmel ist bedecket,
Ohne Sterne, Mond und Sonne,
Hab ich hier in dieser Quelle
Einsam kühl das Bad genommen.
Meines Herren Aug erhellte
Mir das Herz mit Liebeswonnen,
Unter Beten, unter Flehen
Bin ich ihm so lieb geworden.
Und sah ich am Tag die Quelle,
Die mich nächtlich kühl umschlossen,
Schamrot konnte ich wohl wetten
In der Röte mit den Rosen.
Leb dann wohl, auf Wiedersehen,
Du geliebter Blondgelockter!
Werde in des Todes Wehen
Rosarosen einst zum Troste!" —