Meine Augen, Feuerspeere,
Möchten gern die Nacht durchbohren,
Daß der helle Tag anbreche
Glänzend mit der vollen Sonne;

Daß ich meine Braut könnt sehen
In dem Schoß kristallner Wogen,
Süß errötend in dem Tempel,
Taufend voller Liebesrosen!

In den Arm wollt ich sie nehmen,
Und mit lustberauschten Worten
Meines Gartens Rosen brechen
Beim Geläut der Blumenglocken!"

Also denkt er, und es hebet
Sich ein lauer Wind von Osten,
Der die Bäume leis beweget
Und im Laube laut ertoset.

Und es wirft zur Badequelle
Viele Rosen Jacopone,
Doch im Bad die Jungfrau denket,
Daß der Sturm sie abgebrochen.

"O Geliebter", spricht sie betend,
"Nicht mit Rosen, nur mit Dornen
Deine arme Dienrin treffe,
Weil sie dir das Wort gebrochen!"

Doch nun schleicht zu der Kapelle,
Zündet an der Ampel Dochte
Jacopone eine Kerze,
Trägt sie unterm Hut verborgen.

Da er kehrt zum Rosenzelte,
Da er nah des Bades Bronnen,
Füllt er plötzlich mit der Kerze
Schein die dunkle Blumengrotte.

Rosarose taucht erschrecket
Schreiend nieder in den Bronnen,
Alle Sinne ihr vergehen,
Als wär sie vom Blitz getroffen.

Und es löschte aus die Kerze
Vom Gespritze. Jacopone,
Ach, er hat sie nackt gesehen,
Nimmer wird der Anblick frommen!